s nicht übel, Mann, aber Offenheit muss unter
Freunden sein.«
    »Versteht sich am Rande«, sprach Münchhausen feierlich. »Die Ziegen also
...«
    »Guter Meister, kannst du mir zusichern, dass in der Geschichte nichts
vorkommt, was mein Zartgefühl beleidigt?« fiel das Fräulein ein. Sie nannte
Münchhausen seit einer erhebenden Szene, die sich zwischen ihnen vor einigen
Tagen zugetragen hatte, du.
    »Nicht das geringste, Diotima-Emerentia«, antwortete der Freiherr. »Zu jener
Viehart gehören zwar der Ordnung der Natur gemäß Böcke, auch kommen diese in
meiner Geschichte vor, ich werde aber delikat sein und sie die Gatten der Ziegen
nennen. Ferner tritt ein Mistkäfer auf, der soll das Ross des Trygäos heißen;
eine Schmeissfliege flicht sich ein - du wirst mich fassen, wenn ich von der
blauen Schwärmerin spreche.«
    »Ich werde dich ganz fassen, mein Meister«, antwortete das Fräulein mit
einem ihrer unbeschreiblichen Blicke. - »Ja«, sagte Münchhausen, »darin bist du
du, und deinen Schwestern gleich. Wenn nur der Bock der Gatte der Ziegen heißt,
so können sie alles anhören.«
    »Hört, Kinder«, rief der alte Baron halb scherzend, halb ärgerlich, »dieses
du und du, und du du klingt ein wenig, als wenn der Kuhhirt dutet. Ich dächte,
ihr bliebet beim Sie, es ist ein feinerer, spitzerer Laut. Ich liebe dich,
Renzel, und ich schätze Euch, Münchhausen, deshalb will ich für euch beide klug
sein. Eine Mariage wäre nichts mehr in euren Jahren.«
    »Mariage!« rief das Fräulein und errötete. »O, wie verstehen Sie, mein
Vater, mich einmal wieder recht gründlich miss!« Sie ging aus dem Zimmer.
    »Mariage!« rief der Freiherr und ergrünte. »Nein, mein würdiger Altvater,
befürchten Sie keine Mariage. Ich könnte Ihre unschätzbare Tochter tausend Jahre
lang du nennen und dächte nicht an Mariage. Zur Mariage gehört Amour; ich spüre
keinerlei Amour für meine Diotima-Emerentia. Es ist der Ort und ist die Stunde,
Ihnen eine wichtige Entdeckung zu machen. Ich fühle eine Achtung für jenes reine
weibliche Wesen, die in das Unermessliche geht, sie lässt sich nur mit der
Begeisterung Kühnes für Theodor Mundt vergleichen. Wenn Emerentia nieset, so ist
das für mich ein Gedicht; aber meine Empfindungen stehen zu derselben Zeit
abgesondert, gleichsam geronnen, für sich, sie haben keinen Verkehr mit der
Achtung, sie führen ihren eigenen Haushalt; kurz, denn Offenheit muss ja, wie Sie
selbst herzlich und bieder aussprachen, unter Freunden sein - Ihre göttliche
Tochter ist mir trotz aller
