 Hader in eine
Gesellschaft kam, der immer mehr stieg, je mehr die Eheleute miteinander
karessierten.
    Dagegen ist es eine wahre Freude, bisweilen vernünftige junge Leute zu
sehen, die bescheiden und anständig sich betragen; das Frauchen sitzt da, und
der Mann da, jedes diskuriert höflich mit seinen Nachbarn, keines scheint auf
das andere zu achten, von Handgeben und Küssen ist nun gar nicht die Rede, und
doch sieht man den roten, munteren Gesichtern an, dass sie zu Hause Glück und
Segen miteinander haben; gleichsam zwei Äpfel sind sie an einem Zweige, die auch
nicht nacheinander umgucken und doch zusammen wachsen, gedeihen und reifen. Der
Ehestand ist ein Segensstand, aber er will mit Vernunft und Geschick und
Manierlichkeit angegriffen sein, sonst macht er, wie der Wein im Übermaß,
trunken, dumm und ungesund. Er ist wie der grüne Zweig am Apfelbaum; was darauf
zum Gedeihen kommen soll, muss hübsch still und ruhig sich daran halten bei
Sonnenschein und Regen.«
    »Eure Moralien klingen zwar ziemlich hausbacken, aber es liegt doch etwas
Wahres darin«, sagte der Jäger. »Der gesunde Menschenverstand behält immer
recht, obschon er selbst nicht das letzte Recht ist. Was meine Eltern betrifft,
so spricht deren nachheriges Verhältnis auch gewissermaßen für Eure Sätze.
    Meine Mutter ist nach dem entsetzlichen Schreck wie umgewandelt gewesen, er
hatte auf sie wie ein Sturzbad gewirkt, der Vater hat späterhin gehen, kommen,
sich kleiden dürfen, wie, vornehmen können, was er gewollt, und von der Zeit an,
wo ich selbst zum Bewusstsein gelangte, erinnere ich mich der Ehe meiner Eltern,
als einer zwar liebevollen, aber freien und ruhigen.«
    »Ja, ja«, sprach der Hofschulze, »so musste es sich wenden. Allzuscharf macht
schartig, der Bogen, welcher zu sehr gespannt wird, bricht, und hinter heißem
Wetter kommt kühles. Aber Ihnen will ich doch eine gute Lehre geben, junger
Herr. Wenn Sie inkognito bleiben, und wie Sie sich mir verkündiget haben, für
den Sohn von Bürgersleuten gelten wollen, so müssen Sie mir keine Geschichte
erzählen von Jagdschlössern und fürstlichen Banketten und goldenen Uniformen und
Bedienten und Reitknechten.«
    »Ach, die Lehre kommt zu spät!« rief der junge Jäger lustig. »Das Verstellen
hilft mir nichts, ich sehe es wohl ein, und wenn ich auch wie der Vogel Strauss
den Kopf wegstecke, man erblickt mich dennoch. Verratet mich aber nicht; ich
habe meine Gründe zu der Bitte, die Ihr mit gutem Gewissen erfüllen könnt, denn
ein Verbrechen habe ich nicht begangen.«
    »Nein, das soll wohl sein, Sie sehen nicht danach aus«, sagte der Hofschulze
lächelnd.
