. Es ist ein
unbeschreibliches Gefühl für die Frauen. Solange ich denken kann, wohnt es mir
bei. Ich kann es Dir eigentlich nicht schildern. Mich durchsäuselt die Ahnung
einer unendlich milden Lösung aller Schmerzen, das Vorempfinden des
überschwenglichsten Erfüllens und Ergänzens, sehe ich eine Frau. Und nicht bloß
Jugend und Schönheit, Reiz und Anmut bewegen meine Seele in einem Bade so
erquickender Fluten, sondern in der Unscheinbarsten gewahre ich etwas
Göttliches, wenn sie mir begegnet. Oft hat mich ein solches zufälliges und
gleichgültiges Treffen von trüben leidenschaftlichen Aufregungen wie mit einem
Zauberschlage geheilt; oft habe ich mich auch scheu vor allen weiblichen Zirkeln
zurückgehalten, weil in mir etwas vorgegangen war, was ich unter Frauen zu
bringen für unerlaubt hielt. Seit einiger Zeit habe ich angefangen, meine Blicke
auf die Verwickelungen der Welt und Zeit zu richten. Da muss ich Dir nun
gestehen, dass unter allen den Dingen, nach deren Rückkehr die Menschen seufzen,
mir die Herstellung des wahren und beseligenden Verhältnisses zwischen den
beiden Geschlechtern als das sehnenswerteste erschienen ist. Aber freilich mag
dieser Friede wohl der Lohn sein, welcher andern, erst in den übrigen Punkten
zum Frieden gelangten Zeiten aufbewahrt wird.
    Dich werden diese Bekenntnisse überraschen, denn Du hast mich nicht gar zu
selten rau und tölpisch im Umgange mit Frauen gesehen, auch war ich noch nie
verliebt. Vielleicht werd' ich es auch nie. Das schlimmste Unrecht tätest Du
mir, wenn Du glaubtest, dass aus mir noch gar ein Süssling werden könnte. Nein,
dazu passen wir überhaupt bei uns zulande nicht. Nimm meine Worte, wie sie
geschrieben sind - sie stammeln von einem Naturgeheimnis.
Nun genug der Reflexion und jetzt eine schlichte Historie. Als ich eben nach den
Gütern zurückgekehrt war, lernte ich in der Nachbarschaft meine Verwandte,
Baronesse Klelia kennen, die sich früher in Wien aufgehalten hatte. Ich benahm
mich gegen sie, wie es einem schwäbischen Vetter geziemte, sie desgleichen, wie
meinem Mühmchen zukam. Keines von beiden dachte an eine Verbindung, wohl aber
mochte der Verwandtschaft eine solche gar passlich vorgekommen sein, denn aus
freundlichen Blicken, geselligen Aufmerksamkeiten und zwei oder drei
Händedrücken, wie sie ein unbefangenes Wohlwollen gibt und nimmt, war bald für
uns ein Netz zusammengestrickt worden, aus welchem wir schlechterdings als Braut
und Bräutigam hervorgucken sollten; und der alte Oheim fragte mich eines Tages
ganz naiv, wann denn die öffentliche Erklärung vor sich gehen werde.
    Wir waren gewaltig betroffen, und wie zwei Leute sonst alles mögliche
anwenden, um einander habhaft zu werden, so ließ wir nichts unversucht, in der
Meinung der Sippschaft voneinanderzukommen, was in der freundlichsten Einigkeit
von beiden Seiten geschah. Mühmchen Klelia hatte bei diesen
Lockerungsbestrebungen ein noch größeres Interesse, als ich
