 Zeit der Roggenblüte; der Rauch ging von den Ähren und wallte in
den warmen Sommerlüften, ein Opfer der Scholle. Einzelne Reihen hochstämmiger
Eschen oder knorrichter Rüstern, zu beiden Seiten der alten Grenzgräbern
gepflanzt, fassten einen Teil der Kornfelder ein und bezeichneten, von weitem her
kenntlich, die Marken des Erbes, bestimmter als Steine und Pfähle vermögen. Ein
tiefer Weg zwischen aufgeworfenen Erdwällen führte quer durch die Felder,
mündete rechts und links an verschiedenen Orten in Seitenpfade aus und führte,
wo das Getreide aufhörte, in ein kräftig bestandenes Eichenwäldchen, unter
welchem sich erdgelagerte Säue gütlich taten, dessen Schatten aber auch für den
Menschen erquicklich waren. Dieser Kamp, welcher dem Schulzen sein Holz
lieferte, drang bis wenige Schritte vom Gehöfte vor, umfasste es von beiden
Seiten und gab so zugleich gegen die Ost- und Nordwinde Schutz.
    Nur mit Stroh war das Wohnhaus, welches sich in seinen weiß und gelb
angestrichenen Wänden von Fachwerk zweistöckig erhob, gedeckt, aber da diese
Bedeckung immer sehr wohl instand erhalten ward, so hatte sie nichts Dürftiges,
verstärkte im Gegenteil den behaglichen Eindruck, den das Gehöft machte. Das
Innere lernen wir schon bei Gelegenheit kennen; jetzt sei nur gesagt, dass auf
der andern Seite des Hauses um einen geräumigen Hof Ställe und Scheunen liefen,
an denen auch das schärfste Auge keine schadhafte Stelle an Mauer und Bewurf
erspähen konnte. Große Linden standen vor der Hoftüre, und dort, nicht nach der
Waldseite zu waren auch, wie wir schon erfahren haben, die Ruhesitze angebracht.
Denn der Hofschulze wollte, selbst wenn er rastete, seine Wirtschaft im Auge
behalten.
    Gerade dem Wohnhause gegenüber sah man durch ein Gittertor in den
Baumgarten. Dort breiteten starke und gesunde Obststämme ihre belaubten Zweige
über frischem Graswuchs, Gemüse- und Salatstücken aus; hier und da ernährte ein
schmales Beet dazwischen rote Rosen und gelbe Feuerlilien.
    Doch waren solcher Beete nur wenige. In einer echten Bauerwirtschaft bleibt
der Boden dem Bedürfnisse gewidmet, selbst wenn dem Eigentümer seine Umstände
Luxus mit der Natur verstatten. Deshalb haben wir in solchen Höfen eine
Empfindung froher Ruhe aller Sinne, wie sie Prachtgärten, Parks und Villen nicht
zu erregen vermögen. Denn das ästhetische Landschaftsgefühl ist schon ein
Produkt der Überfeinerung, weshalb es denn auch nie in eigentlich robusten
Zeiten auftritt. Diese halten vielmehr die Stimmung zur Mutter Erde, als zu der
Allernährerin fest, wollen und verlangen nichts von ihr, als die Gabe des
Feldes, der Viehweide, des Fischteiches, des Wildforstes.
    So weit das Auge über den Baumgarten hinausblickte, sah es auch nur Grün.
Denn jenseits des Gartens lagen die großen Wiesen des Oberhofes, auf welchen der
Schulze Raum und Futter für seine Pferde besaß. Ihre Zucht, mit Fleiß betrieben,
