 in den großen Not- und Bergehafen
des modernen Staats getrieben worden. In diesem schwimmen sie (um dem
Gleichnisse treu zu bleiben), stoßen und prallen aneinander an, oder sind auch
wohl seitwärts auf das Trockne geworfen. Dort verwittern sie, mit Tang, Flechten
und Schneckenhäusern besetzt, nach und nach, während jener Überzug den Schein
eines neuen Gebildes fortsetzt.
    Aber es ist etwas Merkwürdiges um die ersten Stammerinnerungen, und die
Völker haben ein so langes Gedächtnis, wie die einzelnen Menschen, denen ja auch
die Eindrücke der frühesten Kinderzeit bis in das höchste Alter hinauf getreu zu
bleiben pflegen. Erwägt man nun, dass eines Menschen Leben neunzig währen kann
und darüber, dass der Völker Jahre aber Jahrhunderte sind, so ist es weiter nicht
zu verwundern, dass in den Gegenden, in welche sich unsere Geschichte nunmehr
begeben hat, manches noch hin und wieder aufstösst, welches nach der Zeit
zurückweist, in welcher der große Frankenkaiser die eigensinnigen Saßen mit
Feuer und Schwert zu bekehren wusste.
    Weckt also die Natur da, wo sonst der oberste Richter und Erbe der Gegend
wohnte, wieder einmal besondere Eigenschaften in einem Menschen auf, so kann an
den jahrtausendalten Erinnerungen und zwischen den Grenzen und Gräben, die doch
noch erkennbar sind, eine Gestalt erwachsen, wie unser Hofschulze, eine Gestalt,
deren Geltung zwar von den Mächten der Gegenwart nicht anerkannt wird, welche
aber für sich selbst und bei ihresgleichen einen längst verschwundenen Zustand
auf einige Zeit wiederherstellt.
    Doch das klingt für diese Arabeskengeschichte zu ernstaft. Sehen wir uns
lieber im Oberhofe selbst um! Wenn das Lob der Freunde immer ein sehr
zweideutiges bleibt, so darf man dagegen dem Neide der Feinde vertrauen, und am
glaubwürdigsten ist ein Pferdehändler, der die guten Umstände eines Bauern
herausstreicht, mit welchem er nicht des Handels einig werden konnte. Zwar ließ
sich von dem Hofe nicht, wie der Rosskamm Marx sagte, behaupten, es sei darin,
als ob man sich bei einem Grafen befinde, dagegen nahm man, wohin man blickte,
bäurischen Wohlstand und einen Segen wahr, welcher dem hungrigsten Menschen
zurufen musste: hier kannst du dich mit satt essen, die Schüssel ist immerdar
voll.
    Der Hof lag ganz allein an der Grenze der fruchtbaren Börde, da wo sie in
das Hügel- und Waldland übergeht. Die letzten Felder des Hofschulzen stiegen
schon sacht die Anhöhen hinauf, und eine Meile von dort war Gebirg. Der nächste
Nachbar der Bauerschaft wohnte eine Viertelstunde vom Hofe. Um diesen breitete
sich alles Besitztum, welches eine große ländliche Wirtschaft nötig hat, aus;
Feld, Wald, Wiese, unzerstückelt, in geschlossenem Zusammenhange.
    
    Von der Anhöhe herab liefen die Felder durch die Ebene, bestens bestellt. Es
war aber um die
