, »er hält im Gegenteil alle Weiber und
Mädchen für viel geringere Wesen, als die Männer und lässt sich auch nur ungern
in Gespräche mit ihnen ein. So ist er denn nun für unsere Feldarbeit und den
Haushalt ein verlorner Mensch, das Wohl und Weh der Familie kümmert ihn nicht,
er scheint auch alles vergessen zu haben, was er in der Jugend gelernt hat. Nur
eine sehr merkwürdige Gabe hat sich seitdem an ihm gezeigt. Wir hatten vor
vielen Jahren nur wenige Bienen; jetzt bauen wir außerordentlich viel Honig und
verkaufen ihn und das Wachs vorteilhaft. Diesen ungewissen Teil der
Landwirtschaft verwaltet er nun ganz allein: er hat sich der Sache bemächtigt
und sie in Flor gebracht, ohne gegen uns nur ein einziges Wort darüber zu
verlieren. Und wunderbar ist er für diese Verrichtung begabt. Noch niemals hat
ihn eine Biene gestochen, und doch zieht er weder Handschuhe an, noch trägt er
die Kappe vor dem Gesicht. Die kleinen klugen Tierchen haben Vertrauen und Liebe
zu ihm, und er kann alles mit ihnen anfangen, was er nur will. Er kann in den
Körben hantieren nach Herzenslust, sie lassen ihn gewähren; beim Ausnehmen des
Honigs, bei allem, was er tut, stören sie ihn nie. Fast wunderbar ist es, wie
sie ihm folgen, wenn sie schwärmen. Er kann sogleich jeden Schwarm, der sich
verflogen hat, wiederfinden, und sie kehren mit ihm wie gehorsame Kinder zurück,
wohin er sie haben will. Das wissen auch alle unsere Nachbaren und die
Bienenwirte auf den anderen Dörfern. Sie kommen sehr oft und sprechen seine
Hilfe an, und er schafft ihnen immer die Wegläufer wieder. In diesem Tun ist er
auch unermüdlich und großmütig dabei, denn er nimmt von den Fremden nie was für
seine Arbeit, wenn er auch Tage und Nächte darauf verwendet, die verschwärmten
Bienen zu finden und einzufangen, unsern Honig verkaufen wir, und er fordert nie
etwas davon, wenn wir es ihm nicht freiwillig geben.«
    Als der Greis sich wieder entfernt hatte, und den Freunden ein einfaches,
kräftiges Mahl aufgetragen war, sagte Elsheim nach einer Weile: »Ist dieser
Bauer nun in seiner Umgebung und Bestimmung nicht so glücklich, als der Mensch
es nur sein kann? Es gibt viel Unglück auf Erden - wer zweifelt daran? - aber
die Hälfte davon zimmern sich doch die Menschen selbst mit großer Mühe
zusammen.«
    »Gewiss«, sagte Leonhard, »durch ihre stachelnden Leidenschaften; aber doch
sind uns diese wieder vom Schicksal verliehen, wir können und dürfen ohne sie
nicht sein: und so dreht man sich doch wieder im Zirkel, denn von diesen
Unglückstiftern rührt doch auch das Große und Edle her.«
    »Masshalten!
