«, sagte Elsheim, »mit der Liebe zur Natur und zu Gegenden, wie mit
jeder Liebe, sie hat etwas Unerklärliches; dergleichen kann und soll auch nie
begriffen werden, denn im Geheimnis liegt ein höheres Verständnis. Auch gibt es
gewiss zur Natur Sympatien und Antipatien, und mir stehen die schönen Gegenden
geradeso individuell vor meiner Seele, wie verschiedene liebe Menschen und
befreundete Wesen.«
    »Das ist eine sehr richtige Beschreibung«, sagte Leonhard, »und jede schöne
Gegend, der wir uns mit Rührung erinnern, zieht uns mit einer ganz
eigentümlichen Sehnsucht an, die bei mir so stark werden kann, dass ich in der
Einsamkeit über Landkarten, Bildern oder Beschreibungen in gewissen bewegten
Stunden Tränen vergiesse. Es ist, als zieht mich dieses Tal, jener Berg, ein
altes Schloss, die Höhe mit der wundervollen Aussicht, wie mit Gewalt zu sich,
und ich bin gerührt, wenn ich mir denke, dass ich diese Freunde wohl nie
wiedersehe.«
    »Mit Kunstwerken«, sagte Elsheim, »geht es uns ebenso; wie oft stehe ich mit
meinem Geiste auf meinen Lieblingsstellen in den Galerien, sehe ich diese dann
einmal wieder, so empfängt mich auch dort eine gewisse Heiligkeit, ein alter
Gruß, wie das vertrauliche Reichen der Hand von einem Geiste. O mein Freund, was
könnte der Mensch außer sich und in sich für ein edles, gediegenes, verklärtes
Leben führen, wenn er nicht so viel der Zerstreuung, dem Leichtsinn, dem
Zeitverderb und leerem Müssiggange opferte!«
    »Lieber«, sagte der junge Meister, und fasste des Freundes Hand, »wie teuer
wirst du mir mit solchen Worten! Warum bist du denn selbst oft auf gewisse Weise
leichtsinnig, dass du mir gleichsam den edleren Geist in dir zu verhöhnen
scheinst?«
    Elsheim errötete leicht und sagte: »Bester, du kennst die Geschichte mit der
Katze, die in eine schöne Prinzess verwandelt ward, sich aber in ihrer
erhabensten Umgebung vergaß, wenn sie eine Maus laufen sah. So geht es leider
mir, nach den schönsten Stunden, ja während denselben; und lieber springe ich
denn doch den Mäusen nach, als dass ich mein ehemaliges Katzenwesen in mir durch
Heuchelei überkleidete. Diese ist überhaupt das Laster, welches ich am meisten
hasse, vielleicht übertreibe ich zuweilen meine geringere Natur in Gegenwart von
Heuchlern, um ihnen nur nicht gleich zu werden. Und wie jede Frucht ihre Reife
nur zur rechten Zeit erlangt, so auch im Menschen; meine Stunde hat noch nicht
geschlagen, die rechte Mittagssonne hat mich noch nicht getroffen, soll es sein,
so wird sie mich schon auch zu rechter Zeit finden.«
    »Wir sollen aber immer ernstaft wollen«, sagte Leonhard
