 es in unsern Tabellen für Gewinn halten, Menschen,
die höchsten Staatskräfte aufzuopfern, um die Ware wohlfeiler zu liefern.«
    Als der Baron lächelnd und ungläubig den Kopf schüttelte, fuhr Leonhard,
ohne seinen Eifer dämpfen zu lassen, in seiner heftigen Rede so fort: »Ich
verlange nicht, dass alles, ohne Ausnahme, auf die alte Weise geschehen soll,
auch sind ja Fabriken und die gepriesene Verteilung der Arbeit schon eine alte
Erfindung; gewisse unbedeutende Dinge, wie Nadeln, Nägel und dergleichen, können
nicht schnell und wohlfeil genug geliefert werden; bei vielen scheinbaren
Kunstzusammensetzungen hat sich früh dies Handwerk und die Kunst in eine
Fabrikanstalt umgesetzt; und ob selbst dabei der Nutzen so groß ist, dass jetzt
jedermann eine schlechte, unbrauchbare Uhr in der Tasche tragen kann, lasse ich
dahingestellt sein, da die wahrhaft guten Werke in London und Paris auch jetzt
teurer verkauft werden, als nur immer in den ersten Zeiten der Erfindung. Aber
weh muss es mir tun, dass der deutsche Handwerker, der sich so schön mehr oder
minder dem Künstler anschloss, der mit den Seinigen und den einheimischen und
fremden Gehülfen wahrhaft patriarchalisch lebte, jetzt untergehn und die
ehrwürdige Zunft neuen Modeeinrichtungen weichen soll. Mit diesem seelenvollen
Leben war eine ganz andere bürgerliche Ehre verknüpft, als herablassende
Vornehme oder Geschäftsleute uns jetzt zuwerfen, oder der jüngere Handwerker
durch Umtreiben auf Kaffeehäusern und leichtfertiges Tavernengeschwätz im
halbmodischen Frack sich erringen kann. Und wenn ich nur die philosophische
Seite des neuen Systems begreifen könnte. Ohne den Namen finde ich alles in der
Welt so umschlossen, und mit Recht. Der Staat lässt mich nicht auf gutes Glück,
und ob ich es vielleicht treffe und Beifall finde, in seine Geschäfte pfuschen,
weil seine Diener auf Schulen und Universitäten, oder als subalterne Arbeiter
ihre Lehrjahre überstehen müssen, sie werden geprüft, und rücken nur langsam und
nach vielfacher Überlegung in die offenen höheren Stellen ein. Derselbe Fall ist
es mit den Geistlichen, sowenig man sie auch von Seiten des Staats wichtig
nimmt. Ebenso mit den Schulen und Universitäten, und ich darf nicht abenteuernd
herumziehen, und die Bude meines Unterrichts und meiner Vorlesungen aufschlagen
wollen. Alle diese Stände legen dem Staate ein Kapital von Zeit, Studien, Arbeit
und Lehrjahren ein, und rechnen darauf, in späteren Jahren geschützt zu werden.
Ebenso ist es beim Kaufmann, ja wenn ich mich zur Grundlage des Staats, zum
Bauernstande, wende, finde ich dieselbe Beschlossenheit, denn das Grundeigentum
ist doch in gewisse bestimmte Güter geteilt, deren Anzahl ebensowenig, wie sonst
die der Handwerker in Städten, überschritten wird, und der Sohn oder der Fremde
muss sich erst vom Knechte zum Bauern hinaufdienen. Die wahren Missbräuche des
Zunftwesens, die sich durch die Länge
