
auf immer bereuen, mich meinem Berufe gewidmet zu haben, wenn ich ein solches
totes und tötendes Fabrikleben führen sollte, wenn mir die Freude am Material,
die ich mit meinen tätigen Gehülfen teile, die Lust, das bestimmte Wesen nach
und nach immer reiner und ausgebildeter hervortreten zu sehen, das Gefühl, dass
ich als Vater und Lehrer für meine Mitarbeiter sorge und ihnen weiterhelfe, die
Bewegung des Lebens, wenn mir alles das unter den Händen absterben sollte, um so
oder so zu heißen, Meister zu drücken, und von ihrer Geschicklichkeit und ihrem
Schweiße zu prassen, mich der Tätigkeit zu schämen, und durch die Auslage des
Geldes mir ein Recht zu erwerben wähnte, dass ich andere despotisieren und quälen
dürfe, und so weit ich reichen kann, Leben, Heiterkeit und Wohlstand zerstören.«
    »Du siehst es von der finstersten Seite«, sagte der Baron, »es hat doch
immer mehr den Anschein, dass die Zünfte und alle Einrichtungen, die damit
zusammenhängen, eingehen werden.«
    »Leider«, fuhr Leonhard fort, »es gewinnt aber auch immer mehr den Anschein,
dass der wahre Bürgerstand, der Kern und das Mark aller Staaten, verschwinden
muss. Ich will der Willkür nicht einmal gedenken, dass plötzlich Privilegien
aufgehoben werden, die der Bürger, der allgemeinen Sicherheit vertrauend, hat
bezahlen müssen, und für welche Auslagen, die bedeutend genug sind, ihm vom
Staate keine Entschädigung wird; ich will darauf kein Gewicht legen, dass nur
dieser Gewähr vertrauend, der Mann seine Jugend und wohl auch ein Kapital
eingelegt hat, um geschirmt von vernünftigen und billigen Einschränkungen ein
Mitglied dieses geschlossenen Standes zu werden; sondern ich frage nur, ob man
denn wirklich bei denen Gewerben, bei denen die fabrikmässige Einrichtung schon
lange hat stattfinden können, oder in jenen Ländern, wo es Fabrikstädte gibt,
das Glück finde, das uns reizen könne, alles umzustossen, um auch dergleichen bei
uns zu haben? Statt vieler wohlhabenden Menschen einige reiche Leute und einen
Haufen armen, verkümmerten und lüderlichen Gesindels, immer in der peinigendsten
Abhängigkeit von seinem Broterrn und dessen quälenden und mageren Vorschüssen,
ohne Lebenslust, ohne Fähigkeit, Tugend und Liebe, kränkliche Kinder zu
erziehen, bei einem ganz mechanischen und seelenlosen Geschäfte verdummend, und
dadurch angetrieben Genuss, den der Mensch einmal nicht entbehren kann und will,
bei schlechten, berauschenden Getränken zu suchen, früh absterbend, ohne gelebt
zu haben, verzweifelnd und sich selbst verachtend zu allen niedrigen Streichen
aufgelegt, und nicht fähig, Glück und Unglück zu erleben oder zu ertragen. So
habe ich viele Hunderte, schlimmer als Sklaven, in berühmten Fabriken
verschmachten sehen, und über die zunehmende Kultur wie anwachsende Barbarei die
Schultern gezuckt, dass wir
