 irgendeiner öffentlichen
Gesellschaft für etwas genommen hat, was man so im Leben etwas Höheres nennt,
und hat dir dieses Gefühl noch kein einzigesmal wohlgetan, hast du die Täuschung
auch kein einzigesmal stillschweigend oder mit freigebigerm Bezahlen und
herrschenderm Ton befördert? Hast du sie jedesmal vorsätzlich zerstört? Ich kann
von mir dergleichen nicht rühmen, auch weiß ich nicht einmal, ob es etwas
Besseres sei, was wir täglich ausüben, dass wir unter Unbekannten für
vortrefflicher und weiser gelten wollen, als wir unserm Bewusstsein nach sind.
Wir kommen an, ich gebe dich für gar nichts aus, ich nenne dich meinen Freund,
der mir in den Einrichtungen des Hauses und des Theaters helfen will: das alles
ist die strengste Wahrheit; ich gebe dir keinen fremden Namen und keine Würde,
die dir nicht zukömmt, nur führe ich dich der Schwachen wegen nicht geradezu als
Tischlermeister auf, weil ich hoffe, du bist wirklich immer noch mehr, mein
Leonhard, als Schreiner durch diese ganz unschuldige List, wenn wir es noch so
nennen wollen, gehst du mit allen frei und wie mit deinesgleichen um, da es eine
unbillige Forderung wäre, dass jene Fremden sich aus allen ihren anerzogenen,
angewöhnten und mit ihnen verwachsenen Vorurteilen heraussetzen sollten, um dich
als Mensch sich selbst gleichzustellen. Durch diese einzige stumme
Nachgiebigkeit vergibst du dir gar nichts, und schenkst mir unendlich viel,
indem durch diese Kleinigkeit mir das Leben mit dir dort möglich wird, was mich
einzig zu dieser Reise bestimmt hat. Und käme es zum Äußersten, würde ich dich
verlassen, nicht deine Liebe höher als alle kindische Rücksichten schätzen? Bei
der kleinsten Veranlassung, die dich nur beschämen könnte, trete ich für dich
auf, und nehme alle Verantwortung über mich.«
    »Wenn alles dies«, sagte Leonhard, »auch nur Sophistereien sind, auf die
sich noch vieles erwidern ließe, so mag diesmal die Freundschaft für dich alles
überwiegen und übertönen. Es mag als Maskerade gelten, die einen unschuldigen
Endzweck hat; du wirst auf jeden Fall mir das Zeugnis geben müssen, dass ich mich
dir und deinen Masken nicht aufgedrängt habe.«
    »Wunderlicher Geist«, sagte der Baron, »der du noch so jung bist, und einer
solchen Kleinigkeit wegen schon so viele Skrupel haben kannst! Und wie lange
wird es denn währen, so sehe ich dich ein großes Magazin von Möbeln einrichten,
Meister unter dir arbeiten, denen du nur Zeichnungen und Bestellungen gibst, und
Kommissionsrat, oder wie sonst, heißen; deinem Vermögen nach, und da es der Ton
des Tages so mit sich bringt, könntest du das auch gleich tun.«
    »Das geschieht niemals«, rief Leonhard lebhaft aus, »dann erst würde ich es
