 lebendigen Direktors in Körper und Kopf seines hölzernen Polichinell
puppenspielend arbeitet, der Engel, eine erniedrigte Seele, ebenso in dem
Gehäuse von Fleisch und Bein und Blut und Schleim und Gehirn und Schmutz
hantieren, kann alles, was man in uns das Göttliche, Edle, Unsterbliche nennt,
nur so sichtbar und handgreiflich und bewundernswert ausfallen: so möchte ich
mir künftig einmal die Freiheit nehmen, meinen Schöpfer zu fragen, ob denn das
Satire sein solle, uns so gar gröblich den Esel zu bohren; es rieche und
schmecke etwas nach einem schlechten Scherz. Jedes gute, oder schlechte Werk
rezensiert sich selbst. Darum hauen, stechen und schießen sie in unsern
vielbeliebten Kriegen ineinander hinein, darum rauben sie und morden uns Geld
und Gut, darum treten sie einander hohnlachend mit Füßen, und alles mit Recht,
denn, wahrlich, wahrlich, die Kreatur ist nichts wert, und man kann sich an ihr
nicht versündigen.
    O Du, mein Heiland! Du, großes Du, Du hast es freilich anders gepredigt. Die
Liebe hätte ja keinen Sinn; Erbarmen und Mitleid wären ja nur Aberwitz, wenn vom
höchsten Gott bis zum lahmen ärmsten Bettler hinab sie sich nicht des tiefer
Gefallenen, des Verirrten, des Leidenden und Presshaften, des Hungernden des an
der Liebe Verzweifelnden, der Seele, die sich im Schlamm wie der Regenwurm,
ringelt und ängstigt, erbarmten, sie emporhöben, sie, wie jene Heiligen den
Aussätzigen, an ihre Brust nähmen und erwärmten. Und was hätte denn diese
göttlichste Liebe zu tun, wenn nicht dieses? Wäre nichts Schlechtes,
Verächtliches, Armseliges da, so hätte sie ja kein Handwerkzeug, um damit zu
arbeiten und aus dem elenden kantigen Brett das teure, kostbare vergoldete
Schränkchen, in dem nachher Goldpokale stehen, zu hobeln und fein und mit recht
mitleidigem Erbarmen zu schnitzeln.
    So nimmt der Mensch, er selbst Materie, Schleim, Schmutz Lehm, Knochen und
Erde, die sogenannte Materie, nicht bloß in der Gestaltung seines Bruders, und
dass er diesen nährt und kleidet, in Schutz. Durch Arbeit, Tätigkeit und Schweiß
ist diese Anstrengung eine fortwährende Erlösung des Staubes vom Tode. Des
Unendlichen Allgegenwart wird kenntlicher, und durch den Hammer und Meissel,
Pinsel, Pflugschar und Sense, Federkiel, Druckerpresse und Nadel drückt der
Mensch allem Unlebendigen den Bruderkuss auf und spricht, wie der Schaffende
ehemals: »Habe eine Seele!«
    Aber so denkst Du gar nicht, und darum hommt mir wieder das Zittern an, da
ich zufällig von Kuss spreche. O welcher Augenblick! Gewiss ist in diesem Moment
durch die Magie meines Innern irgendwo ein Geist jung oder geboren worden, und
schläft noch in einer Blume Deines kleinen Gartens, und indem Du nun vorbeigehst
