 immerdar so
geformte Wesen, bei denen, ungefähr wie beim Mondsüchtigen, eine zeitgemässe
kürzere oder längere Verrückteit eintreten muss, damit sie nachher nur ihrem
Amte als sterblicher Mensch gehörig vorstehen können. So schütteln sie die
Schlacken ab, und sind nachher so reputierlich, wie zuvor. So lebt in einer
großen Stadt, nicht gar weit von hier, ein sehr gelehrter Mann; dieser wird von
hoch und niedrig besucht und verehrt; er steht mit andern herrlichen Geistern in
Korrespondenz, und man nennt ihn oft den Stolz seines Vaterlandes. Dieser
Gelehrte fällt in jedem Jahr im Herbst, wenn die Tag- und Nacht- gleiche
eintritt, in einen sonderbaren Zustand. Er reißt nämlich alsdann seinen
Kachelofen ein, wirft die Kacheln umher und arbeitet dabei ohne Rock und Weste
im Hemde so eifrig, dass ihm der klare Schweiß von der Stirne trieft. Nun nimmt
er den Lehm und Ton, mit welchem der Ofen ausgefüttert ist, mischt diesen und
weicht ihn höchst mühsam auf mit Wasser, bis er in seinen früheren bildsamen
Zustand zurückgekehrt ist. Dann formt und backt er aus diesem Ton Kugeln von
mäßiger Größe, und beschenkt, wenn die eigentliche Raserei vorüber ist, jeden
seiner Freunde, auch jeden Vornehmen, selbst die Damen, die ihn verehren, mit
einer dieser Kugeln, als einer untrüglichen Universalmedizin gegen alle Übel und
Krankheiten. Im ersten Monat wenn die Wut schon ganz vorüber ist, geht er nie
aus, ohne einige dieser Pillen bei sich zu tragen, um der leidenden Menschheit
unter die Arme zu greifen. In jedem Jahr kommt der Töpfermeister von selbst und
ungefordert in sein Logis, weil er schon weiß, welche Arbeit er dort zu tun
findet, und nachher ist derselbe Mann so gelehrt und weise, als er es nur jemals
war.«
    »Wohl dem«, fügte Leonhard hinzu, »an dem der Aberwitz dieser Vampyr, nur so
genügsam zehrt, und ihn dann wieder freilässt. Diejenigen, die sich ohne alles
Talent für große Dichter, Staatsmänner, oder Weltweise halten, sind auf jeden
Fall viel schlimmer daran.«
    »So gibt es wieder andere«, erzählte der sinnige Lamprecht weiter, »die
ergreift in ganz unbestimmten Zeiten, bald nach längeren, bald nach kürzeren
Fristen, der böse Geist. Es kommt über sie, wie ein Gewitter aus heiterem
wolkenlosem Himmel.
    Wehe denjenigen, die alsdann in ihre Nähe kommen. Ein solcher Mann befindet
sich als Mitgleid in unserer stillen Gemeine: das frommste, liebevollste Gemüt,
wohltätig, menschenfreundlich, nachgebend, so sanft, dass ein Kind ihn
einschüchtern könnte; aber, wenn er vom Satan besessen ist, so ist kein
Auskommen mit ihm, dann fürchtet er weder Himmel noch Hölle, dann achtet er
weder
