 Gedanken, warum sind Sie denn
eine Frau, und warum hat mich der Herr als einen Mann erschaffen? dass ich der
bin, der ich bin, und Sie selbst diejenige, als welche Sie im irdischen Wesen
erscheinen und sind! Konnte es denn nicht anders sein, und musste es durchaus
also ausfallen? Ich! vierzig und mehr Jahr älter, als Sie! O du mein ewiger
Schöpfer, wo, was waren denn meine Gedanken und Fühlungen vorher, in der Zeit,
die doch die längste meines Lebens muss gewesen sein bevor ich Sie kannte, oder
Sie gesehen harte? War doch damals kein Du in der Welt, und ich das ewig einsame
unglückseligste Ich! Einsam, allein - können Sie wohl nachfühlen, wie
erschrecklich das ist? O Du mein Du, wo bleibt denn, so frage ich alle Engel und
Geister, wo bleibt denn mein Ich, wenn ich an Dich denke, oder Dir gar in das
Auge schaue? O nein, ich schaue dann nicht mehr, es ist kein Actus meines
Selbst; ich werde geschaut und bin selig darin, dass ich in diesem Geblicktwerden
zugleich geschaffen und vernichtet bin. So finde ich mich nachher auch wieder -
und frage immer: Wie kann das Ich, der scheinbare Alte, der in der Entzückung
untergegangen war, tot, dahin - wie kann er ein Ich noch sein und bleiben, um
sich, der auf immer fort war, zu finden und anzutreffen? Wer ist, was der
Findende, wer, was der Verlorne? Hiebei dreht sich mein ganzes inneres Wesen um,
und wird zum Schwindel, und auch mein äußerer Verstand, mein alltägliches kaltes
Bewusstsein will zu einem Geheimnis meines innersten, unsichtbaren, im
Todesschlafe träumenden Wesens werden. Ja, Frau, Wesen, Ewigkeit, Du, Du! darin
liegt alle Unschuld, und im Ich die Sünde und Anklage. Warst Du nicht vor
langen, langen Zeiten ich? Ich Du? Eins, und im Einen die Wonne, dass Du die
Seele meiner Seele die Seligkeit warst, nach der ich sehnte, und deren
Anschauung mir in der Andacht ward?
    Ach ja, es ist wohl die Spiegelung von einer fernen Spiegelung, die nur hier
hereinfällt, in unsere dermalige Schöpfung und den wunderlichen Schlummer, den
wir unser Leben nennen: und so kam die Liebe und die Wollust in die Welt. Wie
unmündige Kinder, die sich weit, weit im gründunkeln Walde verloren haben: und
keiner hört ihr verirrtes Angstwimmern und das Abbuchstabieren ihres
Klageliedes. Und so freilich, was kann ich alter, abgelebter Magister wünschen,
fordern oder begehren? Es hat sich alles nur in unsere verhärtete, zu Eis
gefrorene Welt hereingeschoben, dass er als Schaugericht lockt und
