 Schar wieder, als wenn er von der Übermacht des
Militärs zurückgedrängt wäre. Neue fechtende Gruppen bilden sich wieder auf dem
Proscenio, sowie auf der innern Bühne; das Schießen wird noch viel gewaltiger;
die größte Verwirrung und Zerstörung stellt sich dar. Jetzt bricht heulend und
bellend die ganze Koppel der Jagdhunde herein; alles schreit, lärmt, Trompeten
schmettern, Waldhörner tönen, Büchsen, Gewehre und Pistolen knallen, dazwischen
die Hunde, und die Anhetzenden toben, was sie nur vermögen, so dass der alte
Förster genötigt ist, von der Wahrheit abzuweichen und als Schufterle trotz
seines schimpflichen Abschiedes wieder aufzutreten um seine Hunde nur gehörig zu
führen und in Ordnung zu halten. Die Doggen, so abgerichtet, reißen viele
Soldaten von hinten nieder, die Bullenbeisser rennen die Stufen hinan, um die
Krieger anzupacken, und als diese mehr als babylonische Verwirrung, das Zeter
und Spektakel eine geraume Zeit gewährt hat, fliehen die Soldaten, und die
siegenden Räuber stürzen jubelnd nach. Den Boden, die innere Bühne und die
verschiedenen Stufen rechts und links bedecken die Leiber getöteter und
verwundeter Krieger, alle, wie auch Leonhard und der Professor zugaben, in
höchst malerischen Stellungen, worüber der letzte nicht wenig erfreut war, da
nur durch seine angepriesene neue, oder vielmehr veraltete Bühneneinrichtung
dieser Effekt erreicht werden konnte. Nun schlossen sich die Vorhänge und
verdeckten alles.
    Diesem Ungestüm folgte eine allgemeine tiefe Stille, denn die Bewunderung
und das Entzücken der Zuschauer war so groß, dass sie anfangs keine Worte und
keinen Ausdruck finden konnten. Endlich vereinigte sich der Ausspruch der Damen
sowohl wie der fremden Herren dahin, dass dieses Schauspiel erhaben, sublim und
einzig zu nennen sei, dass man niemals sich vorgestellt habe, dass die dramatische
Kunst so ungeheure Wirkungen hervorbringen könne, und dass das ganze Land dem
Baron Elsheim zum innigsten Danke verpflichtet sei, dass er, als ein echter
Patriot, mit großen Unkosten zur Bildung und Erhebung aller Zuschauenden diese
Prachteinrichtung auf seinem Schloss stattfinden lasse. Dülmen, der alte
Bellmann und seine Söhne, der Forstmeister und der Amtmann reichten abwechselnd
dem jungen Baron die Hände und drückten die seinigen, überschütteten ihn mit Lob
und Dank; auch die Witwen erhoben ihren Gesang zwischen den derben männlichen
Tönen, so dass Elsheim, wenngleich seine Freunde abwehren halfen, vor Verdruss und
Langeweile ermüdete, bis ihn endlich der Anfang des dritten Aktes von diesen
lästigen Artigkeiten befreite.
    Dieser Aufzug wirkte nur wenig, weil sich soeben das Interessanteste
gleichsam erschöpft hatte. Nur die starke, nachdrückliche und laut schallende,
nicht geheuchelte, oder angedeutete Ohrfeige, welche Franz von der rüstigen
Amalie empfing, erweckte die Zuschauer aus ihrem Schlummer, und erregte ein
lautes und allgemeines Gelächter. »Es geschieht dem bösen Kerl ganz recht«
