 da etwas, das ich nimmermehr
glauben kann. Wie? diese Kalte, Schweigsame, immer Zurückgezogene sollte eines
Gefühls, und gar für mich, fähig sein? Wenn Sie mir dergleichen von Charlotten
sagten, könnte ich es vielleicht eher glauben.«
    »Von Charlotten«, erwiderte Emmrich kalt, »würde ich es nicht glauben, und
wenn das Fräulein es mir selbst versicherte. Wie wunderbar hat die Natur dieses
schöne Wesen mit Gaben und Reizen ausgestattet, und bei diesen vielfachen
Geschenken das Herz vergessen, ohne welches alle anderen Eigenschaften ihren
eigentlichen Kern verlieren. Ich bin überzeugt, diese gaukelnde Fee wird niemals
lieben können; sie sucht ihr Glück darin, alle Männer zu bezaubern und leichte
Abenteuer anzuknüpfen und zu lösen. Leidenschaft zu erregen ist ihr Spiel, sie
will aber keine fühlen. So hat sie sich zur reizendsten und gefährlichsten
Kokette ausgebildet. Sie hat in der Residenz schon wunderbare Abenteuer
durchgespielt, und die verständige Tante bemerkt entweder alles nicht, oder
sieht als eine kluge Frau durch die Finger, wo sie nichts ändern kann.
Vielleicht muss es solche Wesen geben, und Charlotte entwickelt sich nur so,
indem sie einer innern Notwendigkeit nachgibt; aber zu bedauern ist es doch, dass
diese schöne Erscheinung ohne Seele bleiben soll. - Dagegen Albertine! welcher
Adel bei diesem Liebreiz! Sie ist lauter Seele und Gemüt und in dieser reinsten
Unschuld und wahrhaft göttlichen Unbefangenheit voll des tiefsten Gefühls für
alles Schöne und Große. Wem sich dieses Herz widmen kann, der sollte sich wohl
so beseligt fühlen, dass er sich den Göttern des Olymps gleich dünkte.«
    »Halten Sie inne«, rief Elsheim, »damit ich zu mir komme damit ich überlegen
kann, wie das möglich sei, was Sie mir da sagen, oder Gründe und Worte finde, um
Ihre irrige Meinung zu widerlegen. - Albertine!«
    »Ich muss mich über Ihre Verwunderung verwundern«, antwortete Emmrich, »und
zugleich das Schlimmste abbitten, was ich von Ihnen dachte, denn ich glaube, Sie
wüssten um diese Neigung und verschmähten die Unglückliche absichtlich.«
    »Abgesehen von allem übrigen«, fragte Elsheim, »was verlangen Sie von mir?«
    »Was Sie leicht gewähren können und müssen«, erwiderte der Professor, »dass
Sie die Arme nicht verhöhnen, ihr nicht geflissentlich mit kalter Grausamkeit
begegnen.«
    »Ach!« rief Elsheim aus, »mir ist das, was Sie mir da eröffnen, noch immer
so neu, so überraschend, dass ich daran zu glauben nicht vermag.«
    »Lassen Sie mich fortfahren, da ich mich Ihnen einmal anvertraut habe«,
sagte Emmrich; »dass ich mit Albertinen niemals über diesen Gegenstand gesprochen
habe, werden Sie mir ohne
