 Halbkreis zu verlassen und
sich dort in die Gegend des Sofas zu begeben.«
    »Wem wird dies Meisterstück fremd sein!« rief Mannlich aus, aber er brach
ab, indem er sah, dass sich Graf Bitterfeld still nach jenem Sofa verfügte.
    »Und die Rollen?« fragte Elsheim.
    »Ich glaube, ja ich bin fast überzeugt, dass wir mit diesen Mitgliedern die
poetische Komödie vortrefflich ausführen können. Auch kann sich hier das Talent
viel sicherer entfalten, und es wird sich zeigen, ob wir was mehr als
Naturalisten sind, da wir den Götz doch mehr oder minder als Dilettanten
gespielt haben.«
    »Sehr wahr«, sagte Mannlich, und sah jeden im Kreise mit festem Auge an.
    »Diese ganz dichterische Komödie«, fuhr Emmrich fort, »zwingt uns, wenn wir
sie nicht ganz verderben wollen, aus uns herauszutreten, und doch fordert die
Zartheit und der rasche Wechsel, indem der Dichter nirgend schwerfällig
verweilt, dass der Darsteller ebenfalls rasch sein muss und gehalten, nirgend
Karikatur und stillstehende Grimasse. Die Aufgabe wird nun sein, dass das
Wichtige auf die rechte Art hervortritt, und jede Person, wie es die Gelegenheit
fordert, auch wieder in den Hintergrund tritt, um nicht den Sinn des Gedichtes
zu stören oder selbst zu vernichten. Diese notwendige Kunst, sich zur rechten
Zeit zurückzuziehen und unbemerkt zu bleiben, fehlt oft den besten Schauspielern
vom Metier, die sich nur zu leicht verwöhnen, das ganze Stück und alle Szenen
immerdar beherrschen zu wollen. Alle Töne klingen in diesem einzigen Werke an,
Posse und Spaß werden nicht verschmäht, das Niedrige selbst berührt und
angedeutet, aber ebenso das Poetische, die Sehnsucht, die Töne der Liebe, und
dabei so viel dichterischer Eigensinn, Tollheit, Weisheit, feiner Scherz und
tiefsinnige Gedanken in der Gaukelei, dass das Poem wie ein großer vielfarbiger
Schmetterling durch reine blaue Luft flattert, der Sonne und den buntfarbigen
Blumen seinen goldenen Glanz entgegenspiegelt, und wer ihn haschen will, um ihn
näher zu betrachten, hüte sich nur, vom leichten Duft des zartesten
Blütenstaubes etwas abzustreifen, weil der kleinste Verlust die wie in Luft
hingehauchte Schönheit schon verdirbt.«
    »Das ist es«, fiel Elsheim ein, »warum so wenige Leser, die sonst den großen
Dichter zu verstehen glauben und ihn wenigstens bewundern, mit diesen seinen
Lustspielen etwas anzufangen wissen.«
    »Wie glücklich sind wir Deutsche«, begann Emmrich wieder, »dass unser
Schlegel uns diese und andere Werke des Briten so durchaus meisterhaft übersetzt
hat. Man sagt nicht zuviel, wenn man behauptet, der Umwandler habe sich hierin
als wahrer Dichter gezeigt.«
    »Nun aber«, fiel Mannlich ein, »zur Hauptsache, und
