 Geklirr des
wirklichen Fensters, welches Götz in kräftigem Unwillen zuwirft, und so gehört
uns und unserm Empfinden eine jede dieser Überschriften von Schenke, Feld und
Lager. Sehen wir nun Kulissen und die Veränderungen unserer Bühne, so wird uns
statt der Wahrheit eine hergebrachte künstliche und konventionelle Täuschung
untergeschoben. Dadurch allein schon erlahmt das Werk; sein Organismus aber wird
völlig zerstört, wenn wir Szenen auslassen, zwei oder drei in eine
zusammenziehen und jener Bühne, an welche der Dichter bei der Komposition in
keinem Augenblicke dachte, zu Gefallen leben, uns vor ihr neigen und demütigen
und darüber das Gedicht in Grund und Boden verderben. Denn nicht eine Zeile,
nicht ein Wort, auch nicht jene Ungezogenheiten lassen sich diesem wunderbaren
Werke abhandeln, ohne seinem innersten Leben zu nahe zu tun. Sie müssen dies bei
der Aufführung alle selbst, mehr oder minder, empfunden haben. Teatralisch,
nach unsern Begriffen, ist also dieses Kunstwerk gewiss nicht. Soll ich sagen,
dass dieser Vorwurf selbst zu groß, dass er ungerecht sei? Ungern! denn weder das
echte poetische Theater, noch unser konventionelles hat unser Dichter jemals
finden können, auch nachher nicht, als er es suchte und sich darum bemühte.
Nehmen wir also diesen Götz, so wie er eben da ist, als ein kanonisches Werk, in
dem keine Zeile geändert oder gekürzt werden darf. Eine untergehende edle Zeit
malt sich in diesem Gedicht, welche neueren Bestrebungen weichen muss. Der
Repräsentant der alten Freiheit ist grossherzig, bieder und rüstig, aber wir
sehen keine Tat von ihm, die ihn eigentlich zum Helden eines Schauspiels
stempelt. Zustände, Situationen, Verhältnisse, Weisheit in Scherz und Ernst
vernehmen wir; unser Gemüt ist bewegt, unsere Aufmerksamkeit rege, Bild drängt
sich auf Bild; aber kein Drama, keine Handlung eines Schauspiels bereitet sich
vor und entwickelt sich. Die große Begebenheit des Bauernkrieges erscheint nur
als Episode; die noch größere der Reformation wird kaum angedeutet. Der Kaiser
ist eine Nebenfigur des Hintergrundes - und so geschichtlich alles behandelt
ist, so wird die Historie der Zeit doch gleichsam verschwiegen. Und dennoch
bleibt dieses Werk für uns Deutsche, wie für den Ausländer, ein einziges, mit
welchem sich kein anderes messen kann, selbst nicht der Egmont desselben Autors.
Sonderbar, dass Goethe selbst sich die überflüssige Mühe gegeben hat, seinen Götz
für die Bühne völlig umzuarbeiten; ich war kürzlich in Weimar und sah diese
Erscheinung, auf welche man, als auf eine Neuigkeit, gespannt war. Jener
zufälligen Bühne, für welche sein Werk nicht passt, hat er nun die größten
Schönheiten aufgeopfert, und doch ist das Gedicht ohne alle dramatische Wirkung,
einige Szenen abgerechnet, in welchen er einen beinahe melodramatischen Effekt
beabsichtigt hat. Dazu
