 bewundert dich im Gegenteil als einen
außerordentlichen Architekten und gelehrten Professor. Er hat dich höchlich
gelobt, und erstaunt nur darüber, dass du selbst mit dem Hobel so gut umzugehen
weißt. Die eigentliche Handarbeit solltest du daher auch lieber unterlassen.«
    »Du kannst es dir nicht denken«, erwiderte Leonhard, »wie es einem tüchtigen
Arbeiter in die Hände fährt, wenn er diese Meister vom Dorfe und diese Gesellen
aus den kleinen Städten so ganz ungeschickt hantieren sieht. Man kann nicht
lassen zuzugreifen, und dem linkischen Volk einige Griffe zu zeigen. Die Glieder
sind bei vielen Menschen ebenso dumm, wie der Kopf. - Gibt es denn aber, mein
Freund, viele solcher vornehmen Leute, wie dieser Graf Bitterfeld einer zu sein
scheint?«
    »Guter Leonhard«, erwiderte der Baron, »dieser Mann ist eigentlich der wahre
einfache Typus unserer Klasse, und was drüber oder drunter ist, ist nur als
Abweichung zu betrachten. Von allem etwas wissen und von nichts etwas
Gründliches, Gründlichkeit und Tiefsinn, wo sie sich zeigen, zu verlachen und in
demselben Augenblick eine ernste Miene, ja eine andächtige der Verehrung ziehen
zu können, wenn man merkt, dass ein Höherer, oder Fürst diese Eigenschaften an
diesem und jenem hochschätzt. Spricht er dann in seiner Familie, oder zu den
Vertrautesten über den Fürsten, so ist die Achtung, welche er jenen Kenntnissen
zollt, nur als Krankheit anzusehen; darüber sind denn auch alle Genossen einig,
und zwar mit der festesten und kältesten Sicherheit. Alles ist ihm nur
Erscheinung, vorübergehend aus Mode, außer dem Begriff des Adels, der Etikette
an den Höfen, der Uniformen und des Ranges, den jeder bei Tafel, oder in den
Assembleen einzunehmen hat. Alle Mesalliance bei Heiraten, vertrauter Umgang mit
Bürgerlichen, Studium einer Wissenschaft, Absonderung und Meiden der großen
Gesellschaft, alles dies erscheint ihm ebenso als Schwärmerei und Fanatismus,
wie die Sekte der Wiedertäufer oder Adamiten.«
    »Und doch lässt er sich herab, Komödie zu spielen?« warf Leonhard ein.
    »Wenn du erfährst«, antwortete Elsheim, »dass einer der berühmten Kaunitze,
ein Kobenzl ein entusiastischer Komödiant war, der sich mehr als einmal durch
diese Leidenschaft lächerlich machte; wenn du dich erinnerst, dass die
unglückliche Königin von Frankreich und der Komte d'Artois auch gern Komödie
spielten, den Herzog von Orleans und den Duc Konti nicht einmal gerechnet, so
wird deine Verwunderung aufhören. Es ist seitdem als die Schwäche und
Herablassung großer Charaktere anzusehen. Darum wird er auch auf dem Theater mit
dem geringsten Spielenden freundlich und fast vertraut umgehen, denn
Bühnenverhältnisse lösen noch mehr als Badebekanntschaften die Fesseln der
Etikette.«
    Leonhard fuhr fort: »Wenn sich mir deine
