 Dich alsdann
erquickt, nenn' es Frieden, nenn' es Geduld, es ist so schwer, es zu erringen,
dass auch der Starke es spät erst in seiner vollen Bedeutung sein eigen nennt. -
    Geduld, geliebte Mutter, nennst Du dies Lammgefühl, was die Natur, ohne alle
Zugabe und Verdienst, oft in die Brust des schlaffsten Wesens bei der Geburt
schon legte? Nennst Du es synonym mit Kraft, während mir beide als Pole in der
menschlichen Natur erscheinen? Ist denn Geduld nicht just der Mangel aller
Kraft? Wird der, der Mut in sich fühlt, dem Leben die Gestaltung abzuringen,
die er in sich beschlossen, als die rechte, wird er, anstatt zu tun, wozu die
Kräfte ihn beriefen, als tatenloser Zeuge stehen und bloß empfangen, gut oder
schlecht, was Andere statt seiner beschlossen? -
    Wer hat gelebt und nicht erfahren, liebe Tochter, dass jenen mutigen
Beschlüssen im Gelingen die Grenze gesteckt ist. Wir schauen das Leben an, ein
lieblich Rätsel in der Jugend, von dem wir nur glückliche Auflösung hoffen. Es
widerstrebt dann später, und wir entzücken uns im Widerstande, der unsere Kräfte
weckt, im heißen, aber genügenden Gefühl so viel zu geben, als wir nehmen. Wer
kräftig erschaffen ward, der träumt, das Leben sei in seiner kühnen Hand; nach
Außen hin sieht er Hoffnungen erweckt und suchet große Dinge; doch ist kaum der
Gipfel erreicht, wo er beginnen wollte, und es bricht zusammen, was in dem
Bereiche dieser Trümmer lag, was er just schaffen und erreichen wollte. Gar
leicht erscheint da dem Besten auch der Augenblick, wo er sich frägt, ob er die
Welt, ob die Welt ihn betrogen habe. Der Kräftige überlebt diesen Augenblick,
und was dann in ihm ersteht, beglaubigt erst, was früher er verheißen. Zwischen
Wollen und Gelingen ist die geheimnisvolle Tiefe ihm aufgedeckt. Die Grenze, die
dem raschen Schritte von Außen ward gesteckt, er steckt sie selbst sich in die
feste Brust. In sich zurückgewiesen, sammelt er die Schätze, die so reizend aus
sich selber ihn herausgelockt; und was aus diesem züchtig eingehegten Schatze
nach Außen dann wieder dringet, es will nicht sich, es will dem Guten helfend
sich erweisen. Auf diesem Wege kommt im Starken, und just allein in ihm, das
große Wort zu Ehren, was ich Dir nannte: Nenne es Frieden, nenn' es Geduld! -
    O Mutter, wie Wenige verdienen dann Dein heilig Wort! Wie schnöde hab' ich
selber auf dies Gefühl geblickt, was aus Deinen Worten zum Heil'genschein mir
wird, um eines Märtyrers vernarbte Stirn! -
    Und wer auch, meine Tochter, ruft die
