 sprach Brixton dringend, vertraut mir jetzt Euer
Schicksal an, da ich unfehlbar klarer darin sehe, als Ihr selbst. Ihr seid für
den Augenblick in sicherem Schutze, und nichts als Eurer Genesung bedarf es, um
Euch würdigen und beglückenden Verhältnissen zurück zu geben.
    Maria's Auge hatte erwartungsvoll auf Brixton geruht; es senkte sich jetzt
von einer unbestimmten Ahnung erfasst zur Erde, und die dringenden Worte
verstummten in einer süßen Ruhe, die der Hoffnung verwandt war.
    Brixton behielt Zeit, sie unterdes zu betrachten und mit Schmerz zu
bemerken, wie die überstandenen Leiden und die sie beherrschende Erschöpfung
diesen schönen jugendlichen Zügen eingeprägt waren. Er gedachte derer, die dies
Kind mit so grenzenlosen Hoffnungen erzogen hatten, und ihren jetzigen Zustand
weder ahnen, noch verhindern konnten; er erinnerte sich, wen er eigentlich vor
sich sah, zu welchen Ansprüchen er selbst sie hatte entwickeln helfen, und dass
von allen diesen Ansprüchen in ihm jetzt nichts übrig geblieben war, als das
Verlangen, ihr ein unbemerktes Loos zu sichern, keinem früher genährten Wunsche,
nur dem des Herzens entsprechend.
    Dann fühlte er mit einer wahrhaft demütigen Beruhigung, dass es das
erreichte Ziel nicht ist, sondern der Weg dahin, der über den Wert des
zurückgelegten Lebens entscheidet, dass im Verfolgen dieses Weges ein höheres
Resultat der Vernunft sich entwickelt und das Ziel vertritt, welches wir mit den
eitelen Kombinationen unsers Verstandes zu erreichen trachteten.
    Und darf ich die Frage wagen, ohne Euch zu erzürnen, hob sie schüchtern nach
einer Pause an, wohin Ihr mich zu führen denkt, verehrter Sir? wann meine
Abreise möglich sein wird? Darf ich es wissen? -
    Ich hoffe, Lord Richmond, der mit grossmütigem Eifer mich unterstützt hat,
wird Euch und mich zur Herzogin, seiner Mutter, zurückführen, bis natürlicher
Schutz Euch Rang und Unabhängigkeit zurückgeben kann.
    Gewiss, rief Maria, ich irrte mich also nicht, als ich Lord Richmond zu
erkennen hoffte? Und zu meiner Wohltäterin soll ich zurück? Sagt, hat sie mir
verziehen, wird sie der flüchtigen Törin ihre Hand noch ein Mal reichen? Wer
hat sie über den Betrug aufgeklärt, dem ich unterlag?
    Schont Euch, teure Lady, sprach Brixton besorgt, da er sie so erregt und
die Farben wechseln sah. Werdet erst gesund und erwartet dann das Weitere.
    Ich will, sagte sie sanft und lehnte, Electas Ermahnungen folgend, sich in
die Kissen zurück.
    Ruhe und Einsamkeit war jetzt ein willkommenes Gebot für das reiche Leben
der Hoffnung in ihrer Brust.
    Electa erstaunte selbst über die schnellen Fortschritte, welche die Kranke
in ihrer Genesung machte. Die Wunde heilte schnell unter ihren sorgsamen Händen.
    Maria stand und ging bald, ohne weitere Hilfe zu bedürfen,
