 der früheren Zeit, zeigten deutlich die tiefe Erregung des
ehrwürdigen Lords.
    Beide kamen darin überein, ihre Reise unverzüglich anzutreten, da allerdings
eine genaue Übersicht an Ort und Stelle zu erwarten war, und namentlich die
Instructionen für den Grafen von Bristol höchst dringend und wichtig wurden.
Archimbald beeilte sich demnach, die nötigen Befehle zur Abreise zu erteilen,
und der Graf von Salisbury begab sich zu seiner Schwester und Nichte, sie mit
dem Briefe des Königs und seiner dadurch veranlassten schnelleren Abreise bekannt
zu machen.
Wir sehen demnach am nächsten Morgen das Schloss von dem männlichen Teile seiner
vornehmen Bewohner verlassen, und finden Zeit, uns in die innern Gemächer zurück
zu ziehen, wo manches der Beobachtung Werte indessen sich begeben hatte. Wir
wenden uns zuerst zu dem Gegenstande, welchen Gastons Bemühungen der Herzogin
hatten entdecken lassen. Doktor Stanloff brachte ihr am andern Morgen die
Nachricht, dass er annehmen dürfe, das Leben sei noch zurück zu rufen, da, obwohl
keine Bewegung wahrzunehmen, doch eine Art von Wärme und Biegsamkeit der Glieder
eingetreten sei, und selbst eine schwache Andeutung des Pulses sich mitunter
zeige. Die Verletzung am Kopfe sei höchst unbedeutend, unfehlbar nur die Folge
des Falles; auch könne der Blutverlust bei solcher Jugend und Gesundheit nicht
diesen Scheintod herbeigeführt haben. Die mit Wunden und Geschwulst bedeckten
Füße ließ aber eine große ungewohnte Anstrengung voraussetzen, die
Zurücklegung eines weiten Weges, wobei die Fussbedeckung verloren gegangen; Alles
führte ihn zu einer Vermutung, welcher er nachzuforschen denke, nämlich der
Befürchtung, dass langer Mangel an Nahrung diese äußerste Erschöpfung erzeugt
habe. Doktor! rief die Herzogin, fast aufschreiend, welch' eine schreckliche
Vorstellung! Großer Gott! Könnt Ihr dies mit Wahrheit behaupten! Warum gleich so
Empörendes denken, warum mich so unnütz erschrecken. Welche traurige
Begebenheiten müssten den Mangel des ersten, des am leichtesten zu stillenden
Bedürfnisses herbeigeführt haben.
    Stanloff schwieg einen Augenblick, dann sagte er ernst: Wer nie den Mangel
der einfachsten und nötigsten Bedürfnisse kennen lernte, kommt leicht zu dem
Glauben, dass, was die Natur begehrt, auch in dem Kreise der willkürlichen
Befriedigung jedes Menschen liege. Es ist leider nicht so, und Tausende ringen
mit dem Leben um den einen Preis, auf dessen genussreiche Befriedigung man
aufhört Wert zu legen, wenn man nie die Entbehrung desselben kannte. - Es lag
etwas so Eindringliches in diesen sanften Worten, dass die Herzogin mit einem
tiefen Seufzer ihren Blick zu ihm erhob. Nach einem kurzen Nachdenken indes zu
ihren früheren Gedanken zurückkehrend, fuhr sie fort: Doch in diesem Stande, bei
dieser Jugend, die uns noch unter die wohltätige Vormundschaft Anderer setzt,
da bis zum Hungertode elend zu werden, gesteht, es liegt etwas Schreckliches,
wenigstens Unbegreifliches darin!
