 Milde und
Güte schien jedes Wort auszusprechen, und es bestätigte sich abermals, dass der
Tod allein die Härte und den Unfrieden der Menschen versöhnt, dass nur, was den
Kreisen des Lebens entrückt wird, aus dem Bereich ihrer Anfeindung tritt.
    Schnell kehrten sich Aller Augen auf das neue Gestirn, das seine Laufbahn
beginnen sollte, und es fehlte nicht an argwöhnischer Zergliederung, an
Befürchtungen möglicher Übel, um für das, was wirklich geschah, die Laune zu
verderben.
    Das schreckenvolle Loos, welches Karl beschieden war, hat für Mit- und
Nachwelt ein weites Feld der Betrachtung eröffnet. Doch gewiss bleibt es, so
fürchterliche Katastrophen in der Geschichte eines Volks sind nicht von dem
einen Haupte verschuldet oder herbei geführt, das als Sühne des Kampfes fällt.
Das langsam schleichende Übel vieler Generationen, worin zuletzt ein Volk
verwickelt wird, macht es zum erzürnten Manne, der sich rächen will für ein tief
empfundenes Leid und, blutend aus vielen Wunden, Linderung sucht, und den zuerst
opfert, der ihm zunächst die Farben des Feindes trägt, wäre das Individuum auch
der Schuld fremd geblieben.
    Fremd war Karl wohl nicht der Schuld, aber jedenfalls der Schuld fremd, die
eine solche Strafe verdienen konnte, und wenn wir ihn, in Widersprüche
verstrickt, bald mit glühendem Eifer seine Pflichten erfüllen, und milde und
voll guten Willens alle Mittel zur Beseitigung wachsender Übel ergreifen, bald
wieder düster und eigenwillig Menschen und Verhältnisse verkennen, und die
keimende Empörung durch seltsame Missachtung reizen sehen, so müssen wir der
Worte des alten Porters gedenken: Er wird mit der Heftigkeit eines Unglücklichen
handeln, der sich zerstreuen will.
    Wenn es uns gestattet wäre, die geheime Geschichte der Menschen zu kennen,
die auf der großen Bühne der Welt uns ihre Rolle vorspielen, und deren Motive zu
ergründen, während wir oft nur das zu erwägen vermögen, was eben wieder als
geschichtliche Tatsache vor unsere Sinne tritt, wir würden erstaunen, wie tief
aus dem fest verschlossenen Raume des Herzens oft die Farbe gestiegen ist, die
ihre Handlungen tragen! Nachdenkend halten wir ein vor dieser Betrachtung auf
der glatten Bahn des Urteils. Ein schmerzliches Gefühl drängt sich uns auf, wie
getrennt der Mensch vom Menschen steht, wie eher alle Güter der Erde sich
mitteilen lassen, als dies geheimnisvolle Gut des Innern, wofür keine Sprache
zum Verständnis gegeben scheint, wofür es vielleicht eine gibt, die aber wenig
mehr als ein Traum der Jugend scheint, und deren Laute bald verklingen in der
Verhärtung des Herzens und des Lebens! Diese Einsamkeit jedoch, die wir uns
eingestehen müssen, oft in den reichsten Kreisen des Lebens, sie ist vielleicht
die Heimat unserer Andacht, unseres Zusammenhanges mit Gott, dessen
ausreichendes Verständnis wir empfinden, und das uns
