 wo das Ausstrecken der
bekrallten Pfote seiner Freiheit Grenzen setzt.
    Dessen ungeachtet sehen wir diesen Ausdruck gemässigt durch die
Betrachtungen, die dem Alleingelassenen sich aufnötigen, und nicht undeutlich
zog mancher schwere Seelenkampf über dies gefurchte Gesicht, und konvulsivisch
sehen wir ihn seine Decken drücken, und sich selbst zusammen ziehen und
strecken, so dass es schwer wurde, an die Wirksamkeit des Umschlages zu glauben,
den der ruhig schlummernde Jüngling so vertrauungsvoll ihm umgelegt. Doch wir
wissen, dass die Seele des Menschen in eine Zerrüttung verfallen kann, die
Konvulsionen zu erregen vermag, unzugänglich den Linderungen von Außen und in
uns selbst den Arzt fordernd, der mitleidend oft lange die nötige Hilfe
versagt.
    Der innere Streit, den wir hier zu schildern suchen, ging, wie immer, dahin,
ob die Liebe zu dem von seiner Jugend auf ihm anvertrauten Prinzen, dem er die
einzige warme Regung seines Herzens verdankte, und der ihm eben darum vielleicht
in der Stille als sein Wohltäter erschien, siegen sollte. Eben so mächtig war
der Einfluss dieser Priester, durch Erziehung, Gewohnheit, Religion und den
fanatischen Eifer der Kirche, ein so mächtiges Werkzeug des Ruhmes zu gewinnen,
in seinem tiefsten Leben gewurzelt.
    Es findet sich in der innern Geschichte aller Menschen mehr oder weniger ein
Streit zwischen den Eindrücken der Erziehung und den späteren Überzeugungen,
und es möchte nicht schwer sein, die Macht der ersteren in jedem Individuum
wieder zu erkennen, wie sehr sie auch oft in dem entwickelten Geiste verarbeitet
erscheint. Eben so häufig aber tritt uns die Erscheinung entgegen, eine gänzlich
ihr hingegebene Natur zu finden, die, tyrannisch beherrscht von den ersten
Eindrücken, jede freiere Entwickelung sogar von sich stößt und wie ein Sklave im
selbst gewählten Joche durchs Leben keucht. Beschränkt und der edlen Bestimmung
entgegen, das durch Erziehung überliefert Erhaltene bloß als Basis höherer
Entwickelung zu benutzen, scheint uns ein solches Wesen verächtlich und
unbeachtenswert; wie oft aber würden wir von diesem zuversichtlichen
Verwerfungsurteile abstehen müssen, wäre uns ein freier Blick in das Innere
erlaubt. Es wächst unter der Last befestigter alter Gewohnheiten und Vorurteile
oft dem Allen entgegen, immer zum geheimen Widerspruche geneigt, ein kleiner
zarter Keim freierer Überzeugung empor, die vor der schweren Erde, die hoch
darüber lastet, nicht bis zur Entwickelung an das äußere Leben gedeiht; aber
wenn das nahe Ende den Hochbejahrten aus dem irdischen Sein, worin seine Fesseln
haften, hinausgeführt, dann erblicken wir zuweilen eine plötzliche Veränderung,
von der wir uns angewöhnt haben zu sagen: Er ist so sanft, er wird bald sterben.
Es sind aber nicht die letzten Tage, die erst dies höhere Leben erzeugen, es
sind die verhüllten schwachen Versuche der ganzen unfruchtbaren Vergangenheit,
die in den letzten Tagen an dem ferner
