 viel hast Du wahr gemacht, was das Vertrauen des
Vaters Dir übertrug; was damit nicht erreicht werden konnte, soll mich nicht
überraschen, denn ich stellte es stets in Zweifel.
    O Vater, rief die Herzogin, sich seinen Augen entziehend, es steht nicht
wohl, die zu schelten, die, müde von Schmerz und Täuschung, ungleich in ihrem
Innern bewegt von Gleichgültigkeit gegen sich selbst und heißer Liebessorge für
die Ihrigen, das einfache Recht zu ihrer Richtschnur wählt. -
    Auch schelte ich nicht, noch weniger zürne ich Deinen raschen Worten, doch
hüte Dich, wie eben jetzt, den verletzten Stolz, der Dich hier so selbst erhoben
richten lässt, nicht zu verwechseln mit dem rührenden Bedürfnis nach einfachem
Recht.
    Die schöne Seele, die nur danach lechzt, sie verfehle vor allen Dingen
nicht, sich selbst zu prüfen, ob sie rein genug gestimmt war, um Recht von
Unrecht rein zu scheiden.
    Wenn ich die schmutzige Hand ergreife, die sich mir bietet, wer zweifelt,
und vor Allem, warum zweifelst Du, dass es ein Opfer ist, was ich in höherer
Absicht bringe? Die Feinde meines Vaterlandes stehen an dem Fuß des Trones,
verloren ist die Hoffnung Englands, verloren der Prinz, bleibt er in den Händen
Buckinghams. Mir fehlt, um die Ketten, worin er langsam eingeschmiedet wird, zu
brechen, jetzt die Kraft.
    Hat Richelieu sich verrechnet, indem er sie für mich zu brechen sucht, ich
habe ihn nicht getäuscht, er kennt mein Leben, es trägt keinen Hauch von
Selbstsucht; unvorentalten blieb es ihm, dass dieses Herz nichts eingebüßt von
seiner warmen Liebe für England und sein erlauchtes Herrscherhaus. Das Antlitz,
was ich wirklich trage, hat Richelieu als Maske vorgenommen; er spricht von
Sorge für England und seinen Tronerben, ich empfinde sie; er heuchelt mir
Vertrauen, als ob ich allein das Unheil hindern könnte, und ich fühle in
Wahrheit dazu die Kraft, den Willen. So reden wir dieselbe Sprache; er die
Sprache, die mich täuschen soll, um mich als vorläufiges Mittel gegen Buckingham
zu gebrauchen, ich die Sprache der Überzeugung und des Herzens, an die er
keinen Glauben hat, die er für Verstellung hält, da er nie eine Beleidigung
vergeben würde, wie ich sie erfuhr, und da er wähnt, ich trachte nur nach einem
Standpunkt des Herrschens, entfernt von dem Platz, wo ich Ehre und Ruhm
erlangte.
    Dem Könige mich zu versöhnen, lag außer seinem Willen, und hält er es für
eine Grille, die mich ihm fast verächtlich macht, dass ich auf der Versöhnung mit
einem für ihn völlig abgetanen, leeren Greise so ernst bestand; und doch war,
diese zu bewirken, meine
