 Freunde das
Geheimnis. -
    Ha! ha! lachte die Lady, das war ein guter Auftrag; und daher wurde dann die
verschmähte Gräfin Bristol schnell in Gnaden zur Braut erhoben!
    Doch es sei so! rechtmässiger Geburt oder nicht, vertilgt sie, vertilgt
Alles, was den Namen Stuart oder Buckingham trägt; nur dann habt ihr den Erfolg
sicher. -
    Mit diesen Worten erhob sich die Lady und schritt nach ihrem Bet-Pult, den
Rest des Morgens einer vorgeschriebenen Andacht zu weihn, die über den
felsenharten Inhalt dieses Wesens auch nicht den kleinsten Einfluss ausübte.
    Die Zeit, die jetzt für die unglückliche Maria anhob, war ganz dazu
geschaffen, ein so junges und lebhaftes Gemüt nieder zu beugen und in eine
schwermütige und dumpfe Stimmung zu versenken.
    Sie musste nach einer Zusammenkunft mit Pater Johannes, worin sie nicht
ermangelt hatte, ihr Glaubensbekenntnis abzulegen und zu verteidigen, doch dem
Rate des Geistlichen nachgeben und sich der Ordnung des Hauses fügen.
    Er sah wohl ein, dass der boshafte Geist der Lady nicht so weit gezähmt
werden möchte, um mit ihr gemeinschaftlich handeln zu können, und so wusste er
sich dem Fräulein als eine wohltuende Mittelsperson anzudeuten, an die sich die
Hülflose um so lieber anschloss, da ihr sonst nur Margarits kindisches Geschwätz
oder der beschränkte Geist der verschüchterten Schwester Electa für die Stunden
blieb, die sie nicht in Gemeinschaft mit der Lady selbst oder im sogenannten
Arbeitssaal mit den übrigen Schwestern zubringen durfte.
    Diese Stunden waren ihr fast die unleidlichsten, denn wenn der Kultus, dem
sie beiwohnen musste, auch abweichend und, ihren empfangenen Begriffen nach,
unzulässig war, konnte es ihr doch nicht schwer werden, daran ihre eigenen
Gefühle anzuknüpfen und so die Widersprüche, die ihr von Außen drohten, in sich
auszugleichen.
    Hier aber war sie Stundenlang dem ermüdendsten Geschwätze ausgesetzt,
welches sich um die widerlich entstellten und übertriebenen Schilderungen
merkwürdiger Martyrien oder die Wunder von Heiligen-Bildern und Reliquien
drehte, und im Munde beschränkter Personen eine Verzerrung und Krassheit erhielt,
welche zu ertragen, ihr die härteste Geistesqual däuchte; und doch blieb ihr
dagegen nur der geringe Schutz, ihre Gedanken auf die Handarbeit zu richten, die
hauptsächlich in der Anfertigung der groben Kleider und der Sandalen-ähnlichen,
von Stricken geflochtenen Schuhe bestand, welche die Kleidung der Nonnen
ausmachten.
    Es entging Maria nicht, dass das Schloss außer den Nonnen oft Gastbesuch
hatte, der zu dieser klösterlichen Form wenig passte. Die Mittagszeit im
Refektorium zeigte fremde geistliche Teilnehmer, von denen sie sich beobachtet
sah, ja, aus ihrem Zimmer musste sie den Besuch von Personen empfangen, die sich
weiter nicht zeigten, und bei deren Gegenwart auch Lady Sommerset gewöhnlich auf
mehrere Tage ausblieb, die sonst, als Priorin, beständig
