 In ihren teilnehmenden, aber klaren Blicken lag das
Vertrauen zu ihrer Schwiegertochter: auch sie würde das mit Würde vollziehen,
was sie selbst und vor ihr so Viele an dieser Stelle vollzogen hatten.
    Sie irrte sich auch nicht, und der zärtliche Sohn hatte, ohne es zu ahnen,
durch seinen Widerstand eine neue Stütze ihr gewährt; ihr Stolz war erwacht, und
ein leichter Unwille über die scheinbare Störung der so wichtig erachteten
Trauerceremonien gab ihr die Kraft, ihre Erweichung zu besiegen. Sie winkte
ihren Sohn und den Grafen von Salisbury zurück, und näherte sich mit langsamen,
würdevollen Schritten dem Hauptende des Sarges. Der Körper, überdeckt mit einem
weiten Fürstenmantel, ruhte jetzt vor ihren gespannten, angstvoll geöffneten
Augen unverhüllt; das teure Haupt, einst mit allem Zauber männlicher Würde und
den weichen Zügen des Gefühls und der Güte geschmückt, war jetzt zu einer
unscheinbaren gelben Maske vertrocknet; und der Schauder, einer völlig fremden,
kaum Menschen ähnlichen Bildung gegenüber sich zu finden, drohte sinnverwirrend
den Geist der starken Frau zu ergreifen. Schon durchzuckte das wildeste
Entsetzen ihre Seele, und Alles um sie her verschwand aus ihrer Erinnerung, -
noch solch' ein Moment, und sie wäre entflohn und mit ihr vielleicht das
Bewusstsein des Geistes, das unterzugehen drohte. Schrecklich war die Angst der
sorglich auf sie Blickenden, denn in ihren Zügen und dem starren Blick ihrer
Augen malte sich ihr jäher Zustand. Aber Gott hielt seine segnende Hand
schützend über dies schuldlose Haupt. Sehr bald minderten sich die
scharfgespannten Züge, Friede kehrte zurück, sich steigernd bis zur sanftesten
Rührung. Ihr Blick hing mit Zärtlichkeit an diesem grauenhaften Bilde, denn sie
hatte ihn wieder erkannt an dem schönen, lockigen Haar, das der Tod nicht zu
zerstören vermochte, und das er in seltener Schönheit besessen hatte. Ihre
Besinnung kehrte zurück, und lange Gewohnheit einer großen Selbstbeherrschung
kam ihr zu Hilfe.
    Das Gefühl, ihn erkannt zu haben und jetzt gewiss seine heiligen Überreste
zu besitzen, hob sie über ihre Natur mit einer Art von Entzücken, das um so
mächtiger sie ergriff, als es der plötzliche Übergang von dem trostlosesten
Entsetzen war. Sie richtete sich an seinem Haupte mit einer Art von Begeisterung
empor, noch ein Mal blickte sie nieder, und ein Lächeln umzog die bleichen
Lippen. Dann schaute sie, ihrer Pflicht gedenkend, mit dem Ausdrucke der
glühendsten Überzeugung umher, und während ihre Lippen wie zu Worten sich
bebend öffneten, hob sie wie eine Seherin die lilienweisse Hand empor und blieb
so einen Augenblick stehen, Jeden zum Zeugen ihrer Überzeugung aufrufend.
Unbeschreiblich war der Eindruck dieser sich folgenden Bewegungen; Bewunderung
gesellte sich der tiefsten Rührung zu, und ein unartikulirtes Geräusch von
vielen hundert Stimmen durchströmte die weite Halle.
    Doch
