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als er sich gestatten wollte, Ihr rührt mich, so sehr ich Euch im Irrtume sehe,
und darum desto mehr. Warum ward Eurem fähigen Geiste nicht von Jugend auf die
sanfte Lenkung unsrer Kirche zu Teil? Nicht Furcht, nicht Zweifel beugten dann
Euren Mut; Ihr würdet in jedem Glaubensbruder die Verwandten wieder finden, die
Euch entrissen sind, wie Tausenden vor Euch. Das ist der Fluch von jener
Spaltung der wahren, vom Heilande eingesetzten Kirche, dass Mensch vom Menschen
geschieden steht im irren Zweifel, dass der Eine seiner Seele Heil nur dann
behütet glaubt, wenn er gering hält und verachtet, was dem Andern heilig
erscheint. Wo ist der Anhalt in Eurer Kirche, wenn der Geist ermüdet unterliegt,
wie Ihr eben an Euch selbst gewahrtet? Der Hochmut Eurer Selbstgerechtigkeit
treibt Euch hinaus, weit über die Grenzen Eurer wahren Kraft. Ihr unterliegt in
dem eitelen Treiben der Welt, und nirgends findet Ihr den Anhalt in dieser Wüste,
nirgends den sichern Port, in dem Ihr ausruhen könnt, und Schutz und Hilfe
findet. Er ist nur im Schoss unserer Kirche, nur Eigentum der frommen Männer,
die in heiliger Betrachtung der göttlichen Dinge den Maßstab für die richtige
Würdigung irdischer Not gefunden. Sie allein vermögen uns zu stützen, wo wir
erlahmen in dem wilden Jagen nach eitler Lust; und Ihr fürchtet diese Stütze,
Ihr fürchtet sie in dem Augenblicke, wo Ihr Euch schwankend fühlt in Eurem
stolzen Alleinsein. -
    Genug, ehrwürdiger Sir, unterbrach Maria hier den Eifernden schnell; zu sehr
mahnt mich Eure Rede daran, dass ich nicht umsonst fürchtete, in diesem Hause den
Angriffen Eures Glaubenseifers ausgesetzt zu sein. Nicht zum polemischen Kampfe
fühle ich mich gerüstet, und billig solltet Ihr meinem Geschlechte und meiner
Jugend dies erlassen wollen, obwohl, verhehlen will ich's Euch nicht, mir Einiges
beifällt, das dartun möchte, die Erde sei überall des Herrn, und Hinfälligkeit
drücke ihren Stempel auf alles Menschen-Werk. Der Glaube, dem ich angehöre,
gibt mir Kraft, und eben jetzt, mich aufzulehnen gegen falsches, unklares
Treiben. Frei bin ich geboren, und einem hohen Geschlechte gehöre ich an, wenn
über seinen Namen mir auch ein Gewebe gezogen ist, in welchem ich Wahrheit von
Trug nicht mehr zu trennen weiß. Dem gemäß darf ich nicht leiden, dass ich zu
unbekannten Zwecken unbekannter Menschen diene und müsst Ihr mich verlassen, so
begehre ich mindestens durch Euch die kennen zu lernen, die hier gebieten, auf
dass ich mich offen mit ihnen selbst verständigen könne.
    Maria hatte ihre volle Energie wieder erlangt; ihr schönes Antlitz zeigte
Licht und Farben, ihr schlanker Wuchs hob königlich sich höher, und der Ton
ihrer Stimme hatte die bebende
