
ist, wenn Ihr still ergeben Euren aufstrebenden Geist verberget. -
    Ihr sprecht in Rätseln und lasst doch ahnen, man habe mich zu andern Zwecken
hierher gebracht, als mich der Schande zu entziehen. Ihr wisst mehr. Es ist
gewiss, Ihr kennt die Absicht, die über mich bestimmt, und seid nicht ohne
Mitleid, ohne Teilnahme. Erbarmt Euch denn und tut mehr; entreisst mich dieser
Lage, die so viel Bedrohliches in sich schließt. Ich muss Euch vertrauen, obwohl
Ihr Euch so klein, so gering als Diener jener fremden Macht bezeichnet. Ihr habt
ein Herz, ich weiß es: Ihr könnt es nicht so sehr im Gehorsam ersticken, dass es
Euch nicht sagte, was menschlich und gerecht ist. Fürchtet nichts von meiner
heftigen Weise, die stärker ist, als ich sie sonst in mir kannte, was ich jetzt
wohl fühle; denn die Kräfte des Menschen, wenn sie erweckt werden, treiben gute
und böse Früchte, und, eingehegt von treuer Liebe und belebt vom reinsten
Vertrauen, kannte ich den Widerstand nicht, den ich heftig in mir sich regen
fühle, wo Beides aus meinem Leben nun verschwunden ist. Doch ich will mich gegen
Euch ganz bezwingen lernen; denn Euch muss ich am meisten jetzt vertrauen, wenn
ich auch wünsche, Ihr vertrautet in höherem Grade Euch selbst. Es sind erst
Stunden verflossen, seit mein Geist von einer Schwäche befallen war, die, mir
sonst fremd, mich jetzt mit Angst erfüllt. Ich glaubte sonst, der äußern Not zu
widerstehen, sei das Schwerste; aber ein tödtliches Grauen umschleicht mich,
wenn ich denke, der Geist wird endlich müde und schläft ein; im Schlaf könnte er
geschehen lassen, wovor ihm beim Erwachen grauete. Seht, sagte sie leiser und
mit kindlicher Furchtsamkeit ihm nahend, ich zittere für das Heil meiner Seele!
Ihr könnt nicht leugnen, ehrwürdiger Herr, hier wird ein anderer Glaube, als der
meine, streng geübt, man wird mich ungern als anders Glaubende hier dulden, man
wird den Übelstand durch Bekehrung heben wollen, und seit heute Morgen fehlt
mir der gute Mut, ich könnte siegend mir selbst getreu verbleiben. Ich sehnte
mich zu sterben in meinem Schmerze, und konnte nicht recht beten, und jeder
Trost, der lebenskräftig sonst aus meinem Glauben mir entgegen trat, war mir so
fern, wie hinter Nebeln ein Freund, den man nur schwach erkennt. Das könnte
wiederkehren; ich weiß nicht, wie ich sagen soll; sterben möchte ich, nur nicht
den Rückschritt tun zu Eurer Kirche, und möglich halte ich ihn bloß, weil mir
die neue Erfahrung geworden ist von meiner Geistesschwäche. -
    Unglückliches Kind! sprach nach einer Pause der Geistliche mit mehr Gefühl
