 die angefangene Rede mit mehr Eifer, als
Maria diesem stillen Wesen zugetraut. Nein, glaubt nicht, dass ich zu den
Gewürdigten des Herrn gehöre, denen er seinen Frieden gab. Wenigen nur wird so
großer Lohn zu Teil, Wenigen nur; und ich trage den Fluch der Welt noch auf
meinem verlockten Geist, und mein Gebet ist unfruchtbar und kann diese Seligkeit
nicht hernieder flehen. Zehn Jahre sind es, dass ich in wahrer reumütiger
Erkenntnis einer Welt entsagt, die den Gesetzen christlicher Demut Hohn
spricht, und die empfangene Sünde hat noch ihren Stachel in mir zurückgelassen.
Und Ihr, armes junges Wesen, scheint in dieser Welt und unter allen ihren
zahllosen Verlockungen die Erlangung des Friedens zu hoffen, der selbst da
ausbleibt, wo alle Versuchungen der sündigen Welt vor diesen heiligen Mauern
umkehren.
    Maria konnte nicht ohne Teilnahme die tiefe Zerknirschung, den peinlichen
Zustand der armen Seele sehen, die unter dem Schleier stiller Ergebung ein so
unruhig kämpfendes Herz barg.
    Es ist nichts so wirksam, ein edles Gemüt aus den Banden des eignen Kummers
zu erlösen, als der Blick auf ein fremdes Seelenleiden, welches bei jungen
Personen überdies noch stets den Wunsch belebt, einwirkend zu helfen; während
längere Erfahrung uns die Unzulänglichkeit dieses frommen Eifers einsehen lässt
und uns mehr bloß zum teilnehmenden Zuschauer macht.
    Ihr fandet also auf dem eingeschlagenen Wege nicht den Frieden, nach dem Ihr
trachtet? hob Maria nach einer kleinen Pause gutmütig forschend an. Ihr hättet
Euch in der Welt erst mit ihr versöhnen müssen, jetzt steht sie wie eine Feindin
hinter Euch, und der Hass, den Ihr empfindet, stört eben Euren Frieden, und er
kommt nimmer von Gott. Seine Welt ist eine heilige Offenbarung, und unsere
Unvollkommenheit ist es, wenn wir sie mit Sünden belastet sehen.
    Sprecht nicht so, Ihr wisst nicht, was Ihr sagt, und dass Ihr im Irrtum seid!
Es ist Gottes Wille, dass wir die Welt hassen sollen, um uns davon los zu reißen
und dem Himmel in seiner reinen Herrlichkeit uns zuzuwenden. Um der
Unsterblichkeit unserer Seele willen müssen wir den ewigen Tod der Sünde
fliehen; uns kann nur Ruhe in dieser Welt, Versöhnung in jener werden, wenn wir
die Versuchung hassen lernen und im Gefühl unserer Schwäche davor fliehen. Ihr
seid noch in der unglücklichen Sucht befangen, Euch selbst zu beraten, daher
hofft Ihr so weltlich, weil das Weltliche Eurer sündigen Neigung zusagt. Erst
wenn wir uns selbst verlassen und die ganze Last unserer Verantwortung einem
Gotterfüllten Führer anheim stellen, erst dann sehen wir ein, wie nutzlos wir
uns abmühten in der eigenen regellosen Tätigkeit. Eine Gnade Gottes ist der
geistliche Gehorsam, dem wir allein dann angehören, und von bevorrechteter
geistlicher Erkenntnis gelenkt,
