 daher bin ich geduldig, dass sie mir
fehlt.
    Ruhe, hob Electa an, Ruhe kehrt nur ein, wo wir mit frommem Vertrauen, was
außer uns liegt, an die Regierung dessen verweisen, der über alle Erscheinungen
der Erde wacht.
    Ich hoffe, sagte Maria, ich befinde mich noch auf dem Wege des Vertrauens,
den Ihr bezeichnet, aber ich bin jetzt keines klaren Bewusstseins fähig. Eben
mein Kopf hindert mich; es ist Alles abgerissen, ohne Folge und Ausdauer; nur
hier, setzte sie seufzend hinzu, ihre Brust berührend, hier fühle ich eine
niederbeugende Last.
    Nichts beugt uns tiefer, erwiderte die ernste Gefährtin mit Sanftmut, als
wenn wir von der unruhigen Begierde, das Leben nach unserm Willen zu lenken,
abstehen müssen und unsere geringen Kräfte kennen lernen, welche Jugend und
Unerfahrenheit uns überschätzen lassen. Doch diese Erkenntnis ist mehr, als
alles Andere, eine Gnade des Himmels, und kein süsseres Glück ist, als still
harren auf den Willen des Höchsten.
    Ja, sagte Maria, unwillkürlich Anteil nehmend, ich habe eine Ahnung von dem
Frieden der Seele, in dem jeder Widerstand sich auflöst, weil der Einklang
gefunden ist mit uns und der Außenwelt. Aber dies ist das Ziel, nicht der Weg.
Nimmer mögen wir dahin gelangen, wenn wir uns nicht in der Teilnahme aller
unserer Kräfte, kämpfend und wieder kämpfend, und zu immer neuen Fragen ans
Leben bereit erhalten, bis wir alle Antworten vernommen haben, die möglich sind,
und nötig zum Frieden mit uns selbst; und wenn dazu Mut und Kräfte schwinden,
setzte sie schwermütig hinzu, dann ist uns das Härteste geschehen.
    Ach, seufzte Electa nach einer kleinen Pause, junges kühnes Gemüt, wie
gefährlich ist ein dergestalt herausforderndes Treiben. Der Frieden, den ich
meine, ist ein Gnadengeschenk des Himmels, das hernieder fließt, ohne unser
Verdienst, ohne unser kühnes Ringen. Ich verstehe Euch zum Teil nicht, doch,
wie mir scheint, glaubt Ihr diese Gabe Euch selbst mit Euren menschlichen
Kräften erwerben zu können. Vergebt, aber mich schaudert vor dem Gedanken, das
höchste Gnadengeschenk durch den Hochmut der Menschen verunglimpft zu sehen. Die
Welt ist die Versuchung, der wir entsagen sollen, um Frieden zu finden. Wir
können nicht mit der Welt im Einklang sein und zugleich auch mit dem Willen
Gottes, denn die Welt verlockt uns stets zum Widerspruch gegen denselben, ehe
wir Alles in ihr als eine Versuchung zum Bösen ansehen lernen und ihr gänzlich
absagen.
    Mein Geist ist müde und schwach, erwiderte Maria sanft, und ich möchte Euch
kein Ärgernis geben, da Ihr sicher gefunden habt, was Ihr als ein unmittelbares
Gnadengeschenk Gottes anseht.
    Nein, nein! unterbrach Electa hier
