 Bildes füllte,
lagen auf einem kleinen Polster die Insignien der ihn einst so drückenden
königlichen Würde.
    Schmerzliches Loos! rief Richmond, wenn die Natur im Widerspruche mit dem
Berufe, den uns der Himmel durch die Geburt zu überweisen scheint, die Mittel
uns versagt, ihn zu erfüllen; und besser doch Dein trübes, schwaches Walten in
Kraftermangelung, als jener Missbrauch empfangener Gewalt, um die Höllengeister
Deines Innern ins Leben zu rufen. Wer würde Dein Loos nicht preisen vor dem
Bilde Deiner Schwester!
    Sie war in ihrem acht und dreissigsten Jahre nach ihrer Verlobung mit Philipp
dem Zweiten von Spanien gemalt. Der Hintergrund des Bildes, vielleicht durch
Zufall von einem schlicht niederfallenden blutroten Vorhange bedeckt, erhöhte
wunderbar den grauenhaften Eindruck, den das Ganze machte. Denn wer konnte das
Bild dieser blutdürstigen Frau erblicken, ohne zu denken, sie tauche aus den
Bächen von Blut auf, welche sie mit Freuden um des Glaubens willen strömen ließ.
Sie saß auf einem Stuhle, auf dessen hoher Lehne links das Wappen Spaniens,
rechts das von England tronte. Nach der bigotten Weise ihres Lebens war sie in
das schwarze Gewand einer Karmeliterin gekleidet, doch über der verhüllten Stirn
war die kleine brillantene Königskrone befestigt, über der wieder ein feiner
schwarzer Flor bis auf den Boden niederfiel. Zur linken Seite stand ihr ein
roter behangener Tisch, auf dem ein Andachtsbuch, ein Kruzifix, und zu dessen
Füßen das Zepter, doch, über Alles dies hinweg, eine scharf gezeichnete Geissel
lag.
    Ihr Arm ruhte auf diesem Tische, und die Enden der Geissel waren durch die
Finger gezogen, während ihre rechte Hand das Bild des damals sechs und zwanzig
jährigen Philipps von Spanien hielt, für den sie eine allzu heftige Neigung
nährte.
    Ihr bleiches, schlaffes Antlitz, von jedem Reize der Jugend oder Schönheit
weit entfernt, trat in erschreckender Wahrheit aus den dunkeln Hüllen hervor,
und zeigte den vereinten Austritt stumpfen Geistes und fanatischer Bosheit.
    Richmond hatte ihr fürchterliches Unrecht und das Elend, das sie in
fünfjähriger Regierung über sein Vaterland gebracht, mehr noch, als früher,
empfinden lernen, und wenn er als Knabe sich zwang, vor diesem Bilde, das er
hasste, so lange festzustehen, bis es ihm schien, als erhöbe sie drohend sich und
wolle ihn ergreifen, so wandte voll Verachtung sich der Mann von diesen Zügen,
die der Nachwelt, könnte der Name auch verloren gehen, noch sagen werden, was
sie war.
    Und auch wie damals, wenn der Knabe für das Schrecken, das er sich herauf
beschworen, Beschwichtigung suchte, wandte er sich. Denn hier hing neben
Heinrich dem Achten, ihrem Grossohm, das Bild der siebenzehnjährigen Königin von
neun Tagen, das erste blut'ge Opfer der schrecklichen Maria
