 höchster Ruhe
vermochte er den längsten Erörterungen zuzuhören, ohne das kleinste Zeichen der
Ermüdung oder der Unaufmerksamkeit zu geben, und es stand eben sowohl in seiner
Macht, endlich den Beifall daran mit Gründen zu rechtfertigen, als ihm die
gefährliche Gewalt zu Gebote stand, in wenigen satyrischen oder kritischen
Worten die auch noch so künstlich verflochtenen Gedanken ihres falschen Scheins
zu entkleiden, und in ihr Nichts zurückzuführen. Doch konnte man ihm in seinem
langen Leben nie nachsagen, dass er an einer guten Sache seinen Hang zur Satyre
versucht hätte. Sein Stolz hatte bei dem vollen Bewusstsein seines Ranges und
Namens doch jenen freieren Charakter, der sich in ihm mehr als Kosmopolit, denn
als Engländer entwickelt hatte, und den zu hegen, er mehr vielleicht noch seinen
Eigenschaften, als seinem Namen vergab.
    Robert, Graf von Derbery, der älteste Bruder und Erbe des herzoglichen
Ranges, hatte bei mancher Verschiedenheit an Geist und Bildung den Bruder nicht
erreicht. Er hatte von Elisabet trotz seiner Jugend die Erlaubnis erhalten, den
englischen Truppen zu folgen, die in der Normandie bei Dieppe zur Unterstützung
des heldenmütigen Heinrichs von Navarra erschienen, und so seinen heißesten
Wunsch erreicht, der ihn mit schwärmerischer Verehrung zu diesem Prinzen zog. An
Heinrichs kleinem Hofe, den kein anderer Glanz, als der der Waffen, schmückte,
fand er jedoch Menschen, erwärmt von der großen Empfindung für Recht und
begeistert von dem Gedanken der guten Sache: Zu siegen oder zu sterben! Ihm ward
die Wohltat, die erste Idee, die ihn ausschließlich erfasste, für eine große und
erhabene ansehen zu dürfen, für die er das Leben mit allen seinen Gütern
einsetzte, und sich in diesem Brennpunkt aller Kräfte, noch vor den Jahren, zum
Manne zu zeitigen.
    Bald nachher war England durch den Tod seiner großen Beherrscherin in die
tiefste und gerechteste Trauer versenkt. Elisabet starb am vierundzwanzigsten
Mai 1603, und nachdem Jakob der Sechste von Schottland als Jakob der Erste den
Thron von England bestiegen, hielten die Großen, die ihm durch frühere
Verhältnisse näher getreten waren, es für nötig, am Hofe zu erscheinen, und die
Familie des Herzogs von Nottingham zeigte sich für einige Zeit in London. Zwar
war Jakob umlagert von den schottischen Großen, denen er sich verpflichtet
hatte, und die jetzt Hilfe forderten und fanden; aber er war dennoch gerecht
gegen seine neuen Untertanen. Mit Erstaunen sah man Cecil, den Sohn des Grafen
von Burleigh, seinen wichtigen Posten ruhig weiter behaupten, ohne seines
Einflusses auf den Tod der unglücklichen Königin Maria weiter zu gedenken; und
während Jakob eben so eilig die Essex, Howards und Devereux aus ihrer Verbannung
rief, gab er seinen Prinzen die Weisung, die Söhne der Gräfin Nottingham zu
ihrem Umgange zu wählen. Nicht leicht
