 nicht, und Herr und Diener sahen diese Schwelgerei
unbeschäftigter Vasallen als einen notwendigen Tribut an, den sie der Hoheit
ihres Standes brachten. Doch war dieser Brauch, der in die Häuser der meisten
Großen den Geist der Unordnung und Zügellosigkeit brachte, hier auch in Grenzen
gewiesen, die in Übereinstimmung standen mit der hohen sittlichen Strenge ihrer
Oberhäupter. Geprüfte Personen, an Bildung und Rang über die Dienerschaft
erhaben, sorgten in den verschiedenen Abteilungen dieses weiten Palastes für
die Befolgung der strengen Vorschriften, welche diese Schwelger in Ordnung
hielten, und waren mit hinreichender Gewalt bekleidet, um ihren Geboten
Nachdruck zu geben. So glich das Schloss mehr einem kleinen, wohlgeregelten
Staate, worin durch Pflichttreue und Fähigkeiten Erhöhung zu erlangen, und der
Dienst im Schloss, endlich in den Gemächern der herzoglichen Familie, ein
Gegenstand war, um den sich der Ehrgeiz der Schlossdienerschaft drehte; denn
grenzenlos war die Verehrung für ihre großmütigen und erhabenen Herren, durch
deren Glanz sie sich selbst über die Klasse ihres Standes erhoben wähnten.
    Fast teilte England die Meinung der Vasallen. Das Geschlecht der Herzöge
von Nottingham hatte durch Jahrhunderte einen seltenen Rang behauptet, in der
Geschichte des Vaterlandes sowohl, als in der öffentlichen Meinung, die über
Tugend und Charakter entscheidet; und es war um so höher zu verehren in den
unruhigen Zeiten, welche die Inkonsequenz der Beherrscher über dieses so lange
den schrecklichsten Parteiungen hingeopferte Land herbeigeführt hatte.
    War das Schicksal auch nicht, ohne Opfer zu fordern, an ihrer Schwelle
vorüber gegangen, das Höchste war ihnen geblieben: eine feste Behauptung edler
Gesinnung! Nicht dem törichten Wankelmut zum Raube, der England seit Heinrich
dem Achten zum religiösen und politischen Spielball seiner sich stets
widersprechenden Könige machte, blieben sie treu ihren Untertanspflichten, aber
bei freier Bewahrung religiöser Ansicht, und zugleich in Milde und Duldung gegen
anders Denkende. So wurden sie nie in die unseligen Kriege und Zwistigkeiten
verwickelt, die, der Natur und ihren heiligen Gesetzen Hohn sprechend, die
Bewohner eines Landes, oft eines Heerdes zu blutiger Verfolgung für einen
Glauben bewaffneten, dessen kaum Einer unter Tausenden sich klar bewusst war! Sie
hatten in einer ruhmvollen Reihefolge den Feinden nach Außen sich gegenüber
gestellt, die Verleumdung scheiterte an ihren patriotischen Opfern für Englands
Beschützung, während an auswärtigen Höfen zu allen Zeiten die oft wiederholten
Sendungen geistvoller Männer dieses Hauses achtungsvolle Aufnahme fanden.
    Zur Zeit der Reformation warb Ortmar, Graf von Derbery, um die Prinzessin
von Kleve für Heinrich den Achten. Erleuchtet von dem göttlichen Geiste Luthers,
kehrte er aus Deutschland zurück, und von ihm ging für die Familie die
Aufklärung aus, welche sie in fester Überzeugung ihrem alten Glauben entführte,
und von da an zu treuen Anhängern der unter Eduard dem Sechsten beginnenden,
unter Elisabet endlich fest begründeten
