 nicht verharscht.
    Bleibe Du mir nur, der Du mir bist, dann steht alles gut.
 
                           III. Derselbe an Denselben
                                                     Heidelberg, den 1. Mai 1795
O Hermann, wie grünt und blüht es hier! Diese Pracht ist nicht zu beschreiben,
man muss in ihr mit allen Sinnen wühlen. Ich wohne dicht unter dem Schloss. Nur
wenige Schritte, und ich bin mitten unter dem Schnee der Mandelbäume, Kastanien
und Apfelstämme. Siehst Du, wieviel besser die Erde auch hierin ist, als der
Himmel! Er sendet ihr kalte Flocken zu, und sie wirft ihm von ihrer Brust die
warmen duftenden entgegen. Obgleich kein Liebhaber von Werter, da ich aller
Sentimentalität abhold bin, und glaube, dass das Vaterland Männer nötig habe,
nicht solche schwärmende Siechlinge, so kann ich doch hier nur seine Worte
nachsprechen: »Man möchte zum Maikäfer werden, um in dem Meere von Wohlgerüchen
herumschweben, und alle seine Nahrung darin finden zu können.«
    Deinem Briefe lässt sich leider anmerken, dass Du in der freien Reichsstadt
Bremen stark eingepfercht bist. Was soll nur das Geschwätz von Graf und Bürger,
und dass die Verhältnisse doch einmal zerstörend zwischen uns treten würden? Wenn
das geschieht, wenn in mir je eine Empfindung von den sogenannten Schranken des
Standes Dir gegenüber entsteht, so möge mich der Donner des Allmächtigen im
nämlichen Augenblicke vertilgen! Herzbruder, wir haben einer des andern Blut
getrunken, unsre Seelen sind nicht mehr zwei, es sind Saiten derselben Harfe,
auf welcher die Akkorde des hohen Liedes von ewiger Freundschaft dröhnen.
    Sässest Du nur hier bei mir unter den Mandeln, und der Baum bewürfe uns beide
mit Blüten, da würden Dir schon die Grillen vergehen. Von Klopstock habe ich ein
paar Zeilen, die mich ganz glücklich machen. Da sie Dich mit angehen, so sende
ich sie Dir, und Du magst sie behalten, so schwer es mir fällt, mich von diesen
teuren Schriftzügen zu trennen. Aber was teilte ich nicht gern mit Dir!
    Zwei Worte Dir ins Ohr, aber sprich davon nicht weiter: Ich liebe! - Du
lachst und rufst: Nichts Neues! - Sachte, Kind, Kind, das ist etwas ganz andres.
Lange behilft sich der Laie mit den äußern Bildern des Altarschreins und meint,
die Schönheit an ihnen zu besitzen, und nun werden die Flügel aufgetan, und da
sieht er erst, welche Herrlichkeit sich auf Erden begeben kann.
    Worte sind Worte, und Phrasen geben kein Gefühl von den Dingen. Also nichts
dergleichen. Nur so viel sei Dir gesagt, dass hier ein Markstein meines Lebens
gesetzt ist, und dass Dein Freund viel anders werden wird. Sah doch Petrus auch
ein Tuch voll reiner und unreiner Tiere,
