, dass ein Schlagfluß den Tagen des Herzogs
ein Ende gemacht habe. Diesem ärztlichen Gutachten spricht nun jedermann nach;
ich aber habe meine besonderen Vermutungen.
    Ich brachte in Erfahrung, dass er seine Angelegenheiten in einer Ordnung
hinterlassen habe, die beispiellos sei. Selbst die gewöhnlichen Rechnungen,
welche sonst in jedem großen Hauswesen das Jahr hindurch unbezahlt stehnbleiben,
sind bis auf die kleinsten Posten quittiert vorgefunden worden. Nun meine ich,
dass der natürliche Tod niemand so in Bereitschaft antreffen kann.
    Ist mein Argwohn richtig, so hat er verstanden, die Repräsentation, welche
seine Schritte von jeher bestimmte, bis an das Ende zu führen. Es ist ihm
möglich geworden, dem Überdrusse am Dasein die beabsichtigte Folge zu geben,
dennoch alle zu täuschen, und anständig, wie er gelebt, zu sterben. Ich selbst,
der ich mich unter einem Vorwande in sein Zimmer geschlichen und mich überall
umgesehen habe, konnte nichts Verdächtiges entdecken.
    Die Herzogin, welche sich unfern im Bade * befand, eilte auf die erste
Nachricht mit Kurierpferden herbei. Ihr Schmerz ist grenzenlos und exzentrisch;
vielleicht schärft ihn das geheime Bewusstsein begangner Vernachlässigungen, zu
denen eine überfeinerte Seelenstimmung sie verleitet hat. Man ließ ein Wort vom
Begräbnisse fallen, worauf sie, wie außer sich, ausgerufen hat, dass davon keine
Rede sein dürfe, dass der Leichnam über der Erde bleiben solle, von ihr gepflegt
und behütet. Wie man diese Laune des Kummers überwinden werde, steht dahin.
    Was die übrigen hiesigen Verhältnisse betrifft, so werden Sie selbst das
Richtige erraten, da Sie die Menschen genugsam kennen. Sie sind nun allhier der
Herr und Meister, und Ihnen wendet sich ein jeglicher bereits in seinen Gedanken
zu. Man hat mich verschiedentlich um günstiges Vorwort bei Ihnen angesprochen;
ich denke, Sie werden in eigener Person prüfen, und die Spreu vom Weizen zu
sondern wissen.«
    Da der Oheim in seinem Schweigen beharrte, und durch die Nachricht
ungewöhnlich erschüttert zu sein schien, sagte der Prediger: »Ich kann es wohl
fassen, wie ein großes Glück unsre Natur zu ängstigen vermag. Wir sind doch alle
eigentlich nur auf die Gewohnheit eingerichtet, und wollen, wenn sich etwas
Außerordentliches ereignen soll, dieses uns lieber durch Dulden und Schmerz, als
durch Genuss und Freude aneignen.«
    »Sie erraten den Grund meiner Stimmung nicht«, versetzte der Oheim. »Jene
Todespost verrückt mir mein Konzept, darum setzt sie mich so in Unruhe. Nie habe
ich geglaubt, den Herzog überleben zu müssen. Ich war eingerichtet auf Abreise,
ich zählte die Stunden bis dahin, nun kommt ein Ereignis, welches auf längeres
Verweilensollen deutet. Denn wenn eine vernünftige Macht unsre Schicksale
beherrscht, so wird sie mir nicht eine Vermehrung meiner
