 mit meinen Freunden gegründet habe, für immer
unmöglich zu machen. Es ist sonderbar, dass man noch in seinen letzten Tagen zu
Schritten kommen kann, die man bei andern früher nie billigte. Ich war von jeher
der entschiedenste Gegner solcher Tötungen des freien Eigentums, und sehe nun
doch ein, dass es Fälle und Verhältnisse gibt, welche dazu gebieterisch nötigen.«
    Der Prediger wollte ihm die Todesgedanken ausreden; jener versetzte aber:
»Lassen Sie mir doch meinen Kalkül, in dem für mich etwas Angenehmes liegt. Wenn
ich sterbe, so wird es sein, wie ein kaufmännischer Jahresabschluss, wie eine
gewöhnlich Komptoirhandlung. Alles wird danach im hergebrachten Geleise
bleiben, kein Stuhl braucht deshalb verrückt zu werden.
    Wir können uns in Beziehung auf den sonderbaren Akt, der mit nichts, was wir
sonst erfahren, Ähnlichkeit hat, von einmal gangbar gewordnen Vorstellungsweisen
nicht losreißen, so wenig sie auch auf die Sache passen«, fuhr er fort. »Was
heißt das: An der Seite seiner Gattin im Grabe ruhen? Ist es nur denkbar, ja wäre
es nicht die größte Ungereimteit, anzunehmen, dass mit der Gemeinschaft der
Gruft irgendeine Empfindung für die Individuen verbunden sein sollte? Und
dennoch muss ich Ihnen gestehen, dass ich voll wahren Entzückens an diese
Vereinigung mit meiner Frau denke, und dass ich dann das Bild des süßesten,
seligsten Schlummers nicht aus dem Sinne verbannen kann, so sehr mir sonst jede
Schwärmerei auch widersteht.«
    »Lassen wir, was wir nicht begreifen, auf sich beruhn, es hat wohl immer
seinen Wert«, erwiderte der Prediger. »Gewiss ist es menschlicher und
natürlicher, fügt sich in den ganzen Zusammenhang unsrer Vorstellungen leichter
ein, den Tod nicht so für sich, sondern gewissermaßen als Fortsetzung
gewöhnlicher menschlicher Zustände zu betrachten. Und auf diesen Zusammenhang
der Vorstellungen kommt doch alles an. Es gibt kein Volk, welches nicht die
letzte Rast in Verbindung mit dem menschlichen Geselligkeitstriebe, oder mit den
Zuneigungen des Verstorbnen für bestimmte Plätze, da er noch lebte, brächte, und
jenem Triebe und diesen Neigungen eine Schattendauer über das Grab hinaus
beilegte. Nur die abgeschwächte Grübelei, das erkältete Gemüt wird gleichgültig
gegen die letzte Wohnung; in den Zeiten der Stärke beherrscht jener freundliche
Wahn, wenn man ihn so nennen will, das Volk und jeden einzelnen. Ich halte nun
sehr viel von dem Spruche: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, und meine,
dass das, was die Menschen im Zustande der physischen und moralischen Gesundheit
denken oder auch nur träumen, das uns eigentlich Gemässe sei, womit wir uns zu
begnügen haben.«
    Ein Geräusch im Nebenzimmer unterbrach diese friedlichtraurigen Gespräche.
Die Vorstände der Fabriken traten herein, und an ihren Mienen ließ sich
