 wieder zusammentreffen.
    Leider hatte ich an Johannen bald eine zweite Kranke. Kräftige Naturen
täuschen sich über sich selbst; die ersten Zeiten nach einem großen Schlage
können selbst den Schein erhöhter Gesundheit tragen, aber die Wirkungen bleiben
dennoch nicht aus. Sobald das Übel der Herzogin gelinder wurde und die Tätigkeit
der Pflegerin nicht mehr unausgesetzt in Anspruch nahm, sank diese zusammen,
ihre Gestalt verfiel, nur ihre Augen bekamen ein noch durchsichtigeres Feuer,
was mich aber freilich um so ängstlicher machte. Ein tiefer Harm zehrte an ihr,
dass sie um ihre Jugendblüte, um die Krone und das Herz ihrer heiligsten
Empfindungen nichtswürdig hatte betrogen werden können.
    Die folgenden Geschichten will ich Ihnen ohne Vorrede und Kommentar
übersenden.
 
                           XI. Geschichte des Herzogs
Der deutsche Adel war, seitdem die mittleren Stände einen Drang verspürten, sich
durch Geist und Tüchtigkeit hervorzutun, in eine gefährliche Stellung geraten.
Der Entwickelung männlicher Energie sind Hindernisse förderlich; das Verdienst
kann nur auf rauen Bahnen sich seine Pfade suchen. In dieser Hinsicht steht nun
der Bürger, wenn er nur einigermaßen erträgliche Verhältnisse für sich hat,
bevorzugt da, während es in den höchsten Ständen schon einer außerordentlichen
Kraft bedarf, um nicht in dem schwächenden Elemente gar zu leichter und
geebneter Tage unterzugehen.
    Der deutsche Adel empfand weit mehr, als dass er sich dessen bewusst geworden
wäre, die Schwierigkeit seiner Lage, geraume Zeit vor der Revolution, welche
zuletzt die tiefe Verderbnis aller gesellschaftlichen Einrichtungen an den Tag
legte. Es entstand daher in denjenigen seiner Glieder, welche nicht fähig waren,
durch Talent und hervorstechende Begabung die verhängnisvolle Last einer
privilegierten Geburt gründlich auszugleichen, ein Streben, durch allerhand
Scheinmittel die gefährdete Existenz für sich und die Nachkommen zu retten.
    Hier boten sich nun zunächst die von den Ahnen ererbten Besitztümer nach
einer Seite, und die Illusionen eines vornehm gleissenden Lebens nach der andern
dar. So fest, wie in diesem Stande, hatte sich nirgendwo der Begriff
unveräusserlichen Eigentums ausgebildet, gleich eisernen Klammern hielten es
fideikommissarische Bestimmungen, Familienstatute, Lebensnexus umwunden; die
Scholle um jeden Preis zu erhalten, wo möglich zu mehren, war also das Dichten
und Trachten vieler Edelleute, was nun freilich in seinem Gefolge Geiz,
Habsucht, selbst Unredlichkeit haben konnte.
    Die Leichteren und Lebhafteren gingen dagegen einen entgegengesetzten Weg.
Sie wussten oder fühlten, dass der Bürger ihnen noch lange nicht zu den
Spieltischen der Fürsten, in das Boudoir hochgeborner Schönheiten, in alle
Konvenienzen eines dem Vergnügen und dem persönlichen Selbstgenusse gewidmeten
Lebens werde folgen können, dass auch solche flitternde, schimmernde Bestandteile
ihnen ein eigentümliches, und wie es ihnen schien, den Plebejern unantastbares
Dasein zu erschaffen vermöchten. Sie schritten daher von ihren Gütern zu den
Hoflagern, Bädern, Sammelpunkten der eleganten Welt, schwebten wie beflügelte
