 Gebrauch machen,
durch welches ich zugleich das Luftbild, welches die Phantasie meiner Herrin
quälte, auszulöschen, und der entnervenden Irrwirkung des Priesters
entgegenzutreten hoffte.
    Ich ließ also - um kurz zu sein, denn warum soll ich etwas Schlimmes
weitläuftig hin und her wenden? - die Herzogin durch dritte glaubwürdige Hand
wissen, dass der junge Mann, den wir auf dem Schloss beherbergt, eigentlich ein
ziemlich lockrer Gesell gewesen sei, der ein verkleidetes Mädchen, mit welchem
er schon eine Zeitlang gelebt, hier unter uns bei sich gehabt habe.
    So weit kann man, in Missstimmungen und Willkürlichkeiten verloren, von der
graden Bahn abkommen.
    Der Erfolg meiner Torheit war keinesweges der beabsichtigte, sondern ein
sehr trauriger. Ich wurde zur Herzogin berufen, welche, ausgestreckt auf dem
Sofa, im furchtbarsten Krampfe lag. Nachdem die verzweifeltsten Mittel diesen
gebrochen, entwickelten sich intermittierende Zufälle, welche monatelang
anhielten, und das zarte Gebilde zu vernichten drohten. Mein Zustand war
schrecklich. Ich rannte wie rasend durch Felder und Wälder, verweinte meine
Nächte, verfluchte mich und meinen Unsinn. Die Schlaflosigkeiten, woran ich noch
jetzt periodenweise leide, sind Nachwehen jener trauervollen Zeit. In einem
freien Zwischenraume schrieb die Herzogin den Brief an Hermann und sandte ihm
die Brieftasche zurück.
Über das Phantasma auf dem Hügel habe ich selbst meine eignen Gedanken gehabt.
Soviel ist gewiss, es war der Hügel und die Stelle auf demselben, wo der Pfaff
sich bestrebt hatte, in Hermann den Gedanken an einen Übertritt zur katholischen
Kirche mit listigen Entzückungen zu erregen, und wo nachmals der Mordanfall auf
den Oheim geschehen war.
    Empfängt die Erde einen Eindruck vom Frevel, dass der Ort, wo ein solcher
geschah, vergiftet wird, und in einem dazu disponierten Gemüte Gedanken, die vom
Rechten abirren, hervorzurufen vermag? Seelisches und Körperliches stehen im
engsten ununterscheidbarsten Zusammenhange, Körper und Außenwelt wirken auf die
Seele, trübe Luft, Steinkohlendämpfe erzeugen Niedergeschlagenheit und Missmut,
Sonnenschein, Gebirgsatmosphäre, Heiterkeit und Energie des Geistes.
    Ist es nun so ungereimt, anzunehmen, dass jene Wirkung, wie jede vollkommne,
eine Wechselwirkung sei, dass auch die Seele ihrerseits, als höchst
durchdringendes Fluidum, auf die Außenwelt Einfluss übe, und in ihren stärksten
Äußerungen den Boden, diesen analog, zu imprägnieren vermöge? Ja, wenn man
konsequent denken, nicht bei Halbheiten stehnbleiben will, so kann man
eigentlich nichts andres annehmen. Freilich dürfte man jetzt nur erst als
Hypothese hinwerfen, dass der gute Mensch die Luft und den Boden gesund mache,
der böse und die böse Tat dagegen die Stelle verpeste, so dass den Tugendhaften
dort ein Schauder, den Schwachen ein Gelüst zum Unerlaubten anwandle. Noch
klingt dies barock und aberwitzig, nach hundert Jahren gehört es vielleicht zu
