 doch an meinem Falle zu ihrem Troste erkennen werden, wie das Gemüt uns
in großes Leid bringt, die Arme unsres Schutzgeistes aber stark genug sind, uns
aus demselben emporzuziehn.
    Da käme ich nun in das Fach der Herzogin und wollte auch erziehn. Aber
freilich beruht mein Unterricht auf andern Voraussetzungen. Die Stille, Liebe
meint, so sehr die Demut ihr auch gebietet, ihre ganze Wirksamkeit vor der Welt
als zweifelhaft darzustellen, insgeheim denn doch, dass ihre moralischreligiösen
Vorschriften die jungen Seelen vor dem Strudel bewahren werden. Ich habe dagegen
die Überzeugung, dass gerade die edelsten Naturen unsres Geschlechts unbedingt
tiefen Verwicklungen dahingegeben sind, welche keine Regel der Klugheit, kein
Präservativ der Sitte, und keine Andachtsübung aufhält. Viele gehen in denselben
unter, wenige werden gerettet. Zu diesen gehöre ich, und wenn auch die Art
meiner Herstellung sich nicht bei jeder Unglücklichen wiederholen wird, so lehrt
sie wenigstens, dass das Leben selbst aus seiner Fülle den Stab wachsen macht,
welchen die Dressur der Pensionsanstalt nicht darreicht.
    Dies will ich erzählen, schlicht, einfach, kurz; zu ausgeführter, oder gar
kunstreicher Behandlung habe ich weder die Lust, noch das Geschick, noch die
Zeit.
    Die Stellung der Frauen in der Gegenwart ist sonderbar. Was hat unsre Mütter
beschäftigt, ihren Geist und ihr Gemüt ausgefüllt? Das Haus oder die
Gesellschaft. Die Ruhigen wandten sich jenem, die Lebhafteren dieser zu. Nun
gibt es aber keine Häuslichkeit mehr im alten Sinne, und aus der Gesellschaft
ist der feine Zauber längst verschwunden, durch dessen Verwaltung wir die
Priesterinnen und Fürstinnen der Salons wurden. Unser Platz in der Welt ist also
leer oder anderweitig besetzt, wie man dieses Missverhältnis ausdrucken will.
Wenn wir uns auch vor der durch die Saint - Simonisten uns zugedachten
Emanzipation schönstens bedanken wollen, so lässt sich doch ahnen, dass unser
Zustand bedeutenden Verändrungen entgegengeht.
    Der Autor hat der Wahrheit gemäß erzählt, dass mich schon als Mädchen auf dem
Schloss meines Vaters das Gefühl eines Vaterlandes mächtig bewegte. Die Natur
musste vielleicht so bei mir verfahren, mir Ersatz durch eine allgemeine
Empfindung geben, weil mir der Segen einer gesetzlichen Geburt, mir eine Mutter
vorenthalten worden war.
    Madame de Staël - wenn ich nicht irre - hat einmal gesagt, dass in Zeiten, wo
man auch den Frauen die Köpfe abschlage, ihnen notwendig erlaubt sein müsse,
sich um die Politik zu bekümmern. So schlimm steht es nun bei uns nicht. Aber da
wir durch die Staatsumwälzungen unser Vermögen einbüßen, uns mit den Männern
versetzen lassen müssen und Söhne für den Krieg gebären, so scheint uns weder
das Recht noch die Veranlassung zu fehlen, an allen den öffentlichen Dingen
teilzunehmen, durch welche auch uns Freude und Entsagung, das
