 Boden aller
Verhältnisse, auf welchem das gegenwärtige Buch dieser Denkwürdigkeiten wuchs,
mit dem Inhalte desselben. Denn seltsame Ereignisse mussten beschrieben, die
unvereinbarsten Gegensätze in den Schicksalen der Personen, welche uns
beschäftigen, dargelegt werden. Und heimatlos war der Verfasser zu der Zeit,
zwischen zwei Städten flüchtig hin und her geschleudert, in ein labyrintisches
Geschäft mit Menschen und Dingen verstrickt, an welchen selbst die Götter ihre
Meister finden könnten. Was Wunder, dass diese grause Harmonie der
Äußerlichkeiten und Stimmungen mit seiner Aufgabe ihn oft fürchten machte,
letztere werde ungelöst in jenen Knäuel der Umgebung sich verlieren.
    Da tat ihm ein ehrwürdiger, geistlicher Freund die stille Arbeitszelle in
dem aufgehobnen Kloster hinter ruhig - säuselnden Bäumen und friedlich - dunkeln
Bachwellen auf. Für diese Freistatt sei dem guten Abte Beda der Dank auch hier
bezeugt, dessen ihn mein Mund schon oft versichert hat. Der Liebesdienst wurde
zur rechten Zeit erwiesen, und war daher wie alles, was zur rechten Zeit kommt,
ein unschätzbarer.
 
                                  Achtes Buch
                       Korrespondenz mit dem Arzte - 1835
  Between the acting of a dreadful ting,
 And the first motion, all the interim is
 Like a phantasma, or a hideous dream.
                                                        Brutus in »Julius Cäsar«
                         I. Der Herausgeber an den Arzt
Sie erinnern sich vielleicht kaum noch unsrer Zusammenkunft in *, wo ich Sie
inmitten der damals Ihnen kurz zuvor untergebnen Anstalten und im Feuer einer
frischen, mannigfaltig wirkenden Tätigkeit traf. Der Umfang dieser Geschäfte,
welche Ihnen neu waren, der Lebensatem, den die große Stadt dem
wissenschaftlichen Manne zuhauchte, und dessen Macht sich noch nicht durch
Gewöhnung abgeschwächt hatte, mochte in Ihnen eine erhöhte Stimmung
hervorgerufen haben. Unsre Unterhaltung war die inhaltreichste. Mit schlagenden
Worten gaben Sie mir in der Kürze den deutlichsten Begriff von dem Stande Ihrer
Wissenschaft in der Gegenwart.
    Ich würde mich, wie ich schon andeutete, vermutlich sehr irren, wenn ich
glauben wollte, dass meine Person und Erscheinung in Ihnen einen Eindruck
zurückgelassen hätte, nur von fern demjenigen gleichkommend, welchen ich mit mir
fortnehmen durfte. Es ist mir so angeboren, bedeutenden Menschen gegenüber mich
still zu verhalten, da ich es für einen größeren Vorteil erachte, ihnen
zuzuhören, als mich selbst vorzutragen.
    Dennoch wage ich, als seien wir einander Freunde und Vertraute geworden, Sie
um eine Gefälligkeit anzusprechen und zwar um eine große. Es gibt Dienste,
welche so sehr in einem allgemeinen Interesse erbeten werden dürfen, dass deren
Leistung auch gegen den ganz Fremden vielleicht kaum mit Recht zu versagen ist.
    Lassen Sie mich Ihnen bekennen, dass mich nicht der Anteil an Ihrem
Institute, und nicht Ihr öffentlicher Ruf mich zu Ihnen trieb, sondern dass ich
aus einem mehr persönlichen Beweggrunde kam. Nahe hatten Sie einem Teile der
