 dies dem Bruder und der Schwägerin zu melden. »Also werden Sie
doch noch Ihren Auftrag ausrichten«, sagte Johanna schmerzlich lächelnd. »Sie
vermitteln meine Rückkehr, nachdem jeder Gedanke daran Ihnen und mir
verschwunden war. So geht es oft im Leben. Wir glauben uns von manchen
Anfordrungen, von diesem und jenem Verhältnisse weit, weit entfernt zu haben,
und unerwartet fühlen wir uns in längst abgeschüttelten Banden gefesselt.«
    Hermann erlaubte sich, manches gegen diesen Plan einzuwenden, der ihm
durchaus unheilsam zu sein schien. Er sprach den Wunsch der Meyer aus, und fügte
hinzu, dass wenn sie auch diesem sich abgeneigt zeigen möchte, ein Leben und
Wohnen unter gleichgültigen, fremden Menschen in ihrer Lage gewiss doch noch dem
Drucke widerstrebender Umgebungen vorzuziehn sei.
    Johanna versetzte: »Zu meiner Freundin kann ich mich nicht begeben. Bei
manchen Schicksalen ist Entfernung, Verändrung von Luft und Boden unerlasslich.
Wie sollte ich es ertragen, da, wo ich unaussprechlich gelitten, noch einmal in
der Erinnrung alle Qualen nachzuleben? Was mich bei dem Herzoge und seiner
Gemahlin erwartet, weiß ich recht wohl. Waren wir doch schon in jenen früheren
Tagen einander unverständlich! Er ist mehr ein Begriff, als ein Mensch, und sie
hat, ungeachtet aller Güte, etwas unendlich Peinliches in ihrem Wesen. Ich
mochte tun, was ich wollte, für mich sein, oder in Gesellschaft, lesen oder
frische Luft schöpfen, so hatte ich beziehungsvolle Reden über weibliche
Genialität, Gelehrsamkeit und dergleichen anzuhören. Daneben glaubte sie denn,
und glaubt es noch in ihrem Briefe, mich zu lieben, während sie doch immer nur
mit dem ganzen Dünkel solcher wohlwollenden Quälgeister eine anmassliche
Vormundschaft über mich hat ausüben wollen.«
    »Und dennoch? ...«
    »Und dennoch. - Ich sehe voraus, wie man mich beobachten, bemitleiden, und
auf die beste Manier von der Welt nach und nach einzwängen wird, und dennoch
wähle ich diesen Kerker. Soll uns das Bittre süß schmecken? Ist eine Eigenschaft
des Jochs nicht die Schwere? Ich habe gefehlt, nicht wie meine Verwandten
meinen, aber ich irrte, indem ich wähnte, uns Frauen der neueren Zeit sei die
Begeisterung erlaubt, sei es erlaubt, auf den Schwingen der Begeisterung dem Manne
entgegenzuschweben, der unsrer wert ist. Wir sind Geschöpfe der Familie, auf sie
sind wir gepflanzt, und so ist es nur ein gerechter Gang meines Lebens, wenn ich
nun dem mich demütig ergebe, was mir die Familie bedeutet, wenn ich alles
geruhig erdulde, was auf diesem Boden drückend und feindlich für mich
emporsteigt.«
    Da er sie fest bestimmt sah, so ließ er von weiterem Zureden ab und entwarf
den Brief an die Herzogin. Johanna
