 zu bestätigen schienen. Besonders sollte
dieses zweideutige System in einer Sphäre befolgt worden sein, mit deren
Vorstande er zufällig näher bekannt geworden war, weil er zu den fleissigsten
Besuchern des Medonschen Hauses gehörte.
    Er nahm sich vor, von Medon, den er oft in tiefen vertraulichen Gesprächen
mit jenem Staatsmanne bemerkt hatte, über die Angelegenheit Erkundigung
einzuziehn. Als er dies tat, maß ihn Medon mit den Augen, und gab keine
bestimmte Antwort, welche er überhaupt im Augenblicke irgendeiner bedeutenderen
Frage immer zu vermeiden pflegte. Allein nach einigen Tagen ließ er sich auf
einem Spaziergange so gegen Hermann aus: »Wir leben in der unumschränktesten
Monarchie, welche vielleicht jetzt auf der Erde besteht, und selbst unsre
östlichen Nachbarn können in dieser Hinsicht neben uns nicht genannt werden. Ich
heiße unsern Staat so, weil das Volk in ihm von jeher nicht viel bedeutet hat,
wir vielmehr von den Erinnrungen an einige große Regenten zehren, die das
wundersame Geschick grade auf dieser dürftigen Erdscholle geboren wissen wollte.
An diesen Erinnrungen hängt unser Dasein, aus ihnen ist Sturz und
Wiederherstellung des Reichs hervorgegangen. Der Träger der obersten Macht ist
alles bei uns, seiner Entscheidung und Beschlussnahme würde mit Erfolg weder ein
Gemeingefühl der Beherrschten, noch die hemmende Kraft selbständiger
Institutionen, auch wenn man die Absicht hätte, sie zu schaffen, entgegentreten
können. So ist es, und so muss es sein, wenn wir uns erhalten wollen. Da wir nun
aber gegenwärtig den sogenannten Geist der Zeit zu schonen haben, so scheint mir
eine Verfahrungsweise, wie Sie mir sie schildern, nicht so übel zu sein; dass man
nämlich den jüngsten Kindern des Hauses die Formen lässt, welche sie liebgewonnen
haben, in den Sachen aber autokratisch nach alten Prinzipien beschliesst.«
    Hermann widersprach diesen Ansichten lebhaft, welche er im Fortgange eines
ziemlich eifrig werdenden Gesprächs Machiavellismus nannte. Worauf Medon
versetzte, dass er den Machiavell für einen der größten Staatsweisen halte,
welche es je gegeben, und dass er der Zeit Glück wünschen wolle, wenn ihr wieder
so ein Kopf beschert würde, welcher das eigentliche unter den politischen und
administrativen Phraseologien versteckte Gewebe des jetzigen öffentlichen Seins
aufzudecken tüchtig genug wäre. »Übrigens weiß ich nicht«, fuhr er mit einer
abbrechenden Wendung fort, »ob man so verfährt, wie Sie sagen, und so
verabscheuungswürdig finden. Den Unzufriednen ist nirgends zu trauen.«
    Dieses Gespräch verflatterte sonach, gleich den meisten, die er mit Medon
geführt, zuletzt in Luft; das einzige, was ihm in seinem Umgange mit diesem
bedeutenden Manne missfiel. Denn sonst zog ihn alles nun immer mächtiger zu ihm
hin, Wissen, Beredsamkeit, Kraft, ja selbst der Blick des hellblauen Auges,
welches, wenn Medon in Eifer geriet
