 wirken?
    Etwas Gutes hatte der Ankauf der alten Bilder; der Zank der Gelehrten war
sofort geschlichtet. Die Sammlung, als Ganzes erworben, sollte als ein solches
zusammenbleiben. Verfuhr man nun aber, wie man musste, nach dieser Bestimmung, so
nahm sie den bedeutendsten Teil des zugemessnen Raumes hinweg, und das andre war,
ohne dass mehr sonderlich auf die kritisch-archäologischen Streitigkeiten
Rücksicht genommen werden konnte, unterzubringen, wie es sich eben schicken und
fügen wollte.
    Hermann, der von allem dem, was sich um ihn, und in ihm bewegte, schon
nichts mehr gern unbesprochen mit Johannen ließ, hatte auch sie einstmals um
ihre Meinung von diesen Dingen befragt. Sie versetzte: »Wenn ich das Museum zu
ordnen hätte, würde ich bald fertig werden. Ich hinge die liebsten Bilder, die
mir Tränen der Rührung oder des Lachens in die Augen treiben, in das hellste
Licht, und es würde mir nicht darauf ankommen, ob eine Himmelskönigin sich neben
einer Schenke voll Bauern befände.«
    »Aber die Geschichte! die Kunstgeschichte!« rief Hermann.
    Johanna lächelte und sagte: »Es muss wohl etwas daran sein, weil ich so viele
kluge Männer davon reden höre. Nur sehe ich sie auf ihrem Wege mitunter dahin
geraten, dass sie über die Wiege und den Taufschein das Kind vergessen. Wenn ich
meine gute Meyer betrachte, und wahrnehme, wie sie ihr schönes Vermögen in
lauter Dingen vergeudet, von denen das wenigste einem gesunden Sinne eigentlich
Vergnügen machen kann, so möchte ich glauben, dass mindestens für uns Frauen die
Kunst nur die Geschichte hat, welche sie in der Gegenwart erlebt, wenn auf ihre
Wunder der Blick einer reinen Seele fällt. Indessen lassen Sie uns von diesem
Gegenstande abbrechen. Das Schöne will nicht beredet, es soll gefühlt werden.
Ich kenne nur ein Gespräch, welches noch unnützer ist, als das über Bilder, und
das ist das über Musik.«
 
                                Fünftes Kapitel
Medons Kreis verarbeitete währenddessen ein Thema von großer politischer
Wichtigkeit; das Verhältnis der neu erworbnen Provinzen zu dem Haupt- und
Stammlande. Man hatte nicht ungeschickt den Staat mit zwei auf dem festen Lande
ausgesäten Inseln verglichen, und dieses Gleichnis war insofern von moralischer
Bedeutung, als dessen beide durch weite Strecken auseinandergehaltne Teile nach
ersiegter Ruhe sich gegenseitig schroff insularisch abzuschließen drohten.
Diesen Krieg im Frieden zu schlichten, und eine Verschmelzung des Gemeinwesens
herbeizuführen, war nicht bloß das Geschäft der mit Lösung der Aufgabe
unmittelbar beauftragten Staatsmänner, sondern die Sorge jedes einsichtigen
Patrioten, und Medon schien sich hier in seinem eigentlichen Felde zu bewegen,
während er andern Gegenständen der menschlichen Betrachtung oft mehr nachgiebig
und geschickt, als wahrhaft und aufmerksam folgte.
    Die Meinungen, wie das Neue zum Alten zu
