 rief er,
»gälte die Geisteskraft der Könige und Helden so viel im Frieden, als im Kriege,
so würden die menschlichen Angelegenheiten einen gerechteren und festeren
Bestand haben, es triebe nicht alles nach verschiedenen Richtungen, man würde
nicht so viel Wandlung und Mischung sehen. Denn leicht wird das Reich durch die
Mittel bewahrt, durch welche es erobert ward. - Das aber ist eben der Fluch
ungewöhnlicher Zeiten, dass sie, wie ein gärender Stoff, das Bessere, Flüchtige
entstellt und widerlich umtreiben, während die tote Masse, als Bodensatz bald
ihren unverrückten Stand erhält. Dann heißt das, was doch eigentlich zum Leben
sich entbinden will, das Nichtige, und jene trägen Hefen zaudern nicht, sich den
Ruhm des Nützlichen und Bleibenden beizulegen. Wer wird mit diesen Abenteurern,
die jetzt zu Hunderten das Land durchstreifen, irgend gemeinschaftliche Sache
machen, ja nur in ihren Träumereien einen haltbaren Zusammenhang antreffen? Und
gleichwohl, wer, der Dinge und Menschen mit menschlichem Blicke betrachtet, mag
es sich verbergen, dass aus ihren Hirngespinsten doch ein viel zarteres Gefühl,
ein höherer Schwung und ein entschiednerer Charakter hervorsieht, als aus der
Pflichtmässigkeit der Leute, welche jetzt, nachdem die Tage der Gefahr vorüber
sind, als die treusten und beehrtesten Söhne des Vaterlandes umhergehn? Wahrlich
nicht durch diese ist es errettet worden, wahrlich nicht durch solche wird es je
errettet werden. Gar leicht ist es gegenwärtig, ein guter Patriot zu heißen,
denn es kommt fast nur darauf an, in allerhand zeitgefälligen Bestrebungen sein
Licht nicht unter den Scheffel zu setzen, bei Gelegenheit tapfer zu schmausen
und eine schwülstige Rede zu halten. Aber wenn das Verderben wieder hereinbricht
von Osten oder Westen, dann werden wohl die Schmauser und Geburtstagsredner
verschwunden sein, dann wird man sich wieder nach den verfolgten Vagabunden
umsehn, welche dann auf eine Zeitlang zu Ehren kommen und späterhin abermals an
ihren blutigen Sohlen erfahren werden, wie hart der Boden der Heimat ist. O
seltsamer und trauriger Widerspruch der irdischen Dinge! Immer nur bringen hoher
Mut und kühne Gesinnung die Sachen zum glücklichen Ausgange, von welchem der
Held gleichwohl selten etwas zu genießen bekommt, sondern, wenn das Mahl
bereitet ist, setzt sich der Philister zu Tische, und lässt sich die Gerichte
wohlschmecken.«
    Nach diesen und andern Reden saß er eine geraume Zeit schweigend, und harrte
auf den politischen Flüchtling. Da derselbe nicht sichtbar werden wollte, so
stieg er aus der Vertiefung auf die Höhe des Erdrandes, erblickte aber weder den
Mann noch das Pferd. Betroffen horchte er, ob sich nicht Hufschlag vernehmen
lasse, aber vergebens. Er rief und pfiff, aber nur Echo gab ihm Antwort. Ein
Argwohn stieg in ihm auf, den er jedoch, als des edelen Geächteten
