, die Sie angreifen
wollen, trotz aller ihrer Schwächen und Vorurteile sind. Sie würden in Ihrem
grausamen Beginnen wankend werden.«
    »Grausam!« versetzte der Oheim einigermaßen empfindlich. »Du gehst mit den
Worten nicht eben genau um. Ich will ihnen ja einen Vergleich vorschlagen, und
einen billigen. Wir wollen miteinander teilen; sie bleiben dann noch immer reich
genug. Ich erzeige ihnen die Ehre, selbst zu kommen, da sie meinen Sachwalter
verführt haben. Wie kann man nachgebender, gefälliger sein?«
    »Soviel ich von diesem Handel weiß«, sagte Hermann, »ist er der
ungereimteste, der sich denken lässt. Sie, der Bürgerliche, werfen dem Edelmann
den Flecken seiner Abstammung vor, und wollen aus diesem Grunde, Sie, ihn von
Haus und Hof treiben. Ein solcher Erwerb, den nur der Widersinn mir zuwerfen
könnte, würde mir Grauen verursachen.«
    »Gib mir die schönen Güter, das andre will ich tragen«, erwiderte der Oheim.
»Habe ich die Rechte gemacht? Bin ich schuld an den Verwicklungen der Zeit?
Glaubst du, dass ich mich wie ein Geier auf die Beute stürze? Kommt es zum
Prozess, und verliere ich ihn, so werde ich an dem Tage, wo ich es erfahre, nicht
um ein Haarbreit unzufriedner sein, denn ich weiß recht wohl, dass mit den
Reichtümern auch die Sorgen wachsen, und dass man nur bis auf einen gewissen
Punkt besitzt. Darüber hinaus hat man eigentlich nichts mehr von dem Seinigen.
Aber eine günstige Gelegenheit von der Hand schlagen, zu einem Glücke, welches
uns gleichsam zugeworfen wird, sagen: Geh, ich mag dich nicht, das würde ich
weder vor mir, noch vor meiner Familie, noch vor den vielen Menschen, die von
mir leben, verantworten können. Auch ist es endlich einmal Zeit, dass eine bessere
Ordnung in der Welt gestiftet wird. Das Herz blutet einem, wenn man sieht, wie
sie mit dem Ihrigen wirtschaften. So erfuhr ich im Vorüberfahren, dass der Herzog
einen herrlichen Kalkbruch, der ihm jährlich die sicherste Rente abwerfen würde,
aus bloßem Eigensinne nicht aufbrechen lässt. Weil sie nie etwas zu erringen
brauchten, so denken sie auch nicht an das Vermehren, kaum an das Bewahren.
    Man spricht so viel von der vergeltenden Gerechtigkeit Gottes, und wenn sie
sich einmal an einem deutlichen Beispiele zeigt, so ist des Verwunderns kein
Ende. Du weißt es nicht, denn du bist noch zu jung, wie uns andre dieses
bevorzugte Geschlecht drückte, peinigte, verdrängte, wie es sein Gift in das
Innerste unsrer Häuser spritzte! Ja, mir kann groß zumute werden, wenn ich an
manches, was vorgefallen ist, mich erinnere
