 Gegenreden befreite er seine Brust.
»Ehe wir eins in das andre reden«, sagte er zum Edukationsrat, »erfordert es die
Pflicht, Ihnen, werter Freund, eine Entdeckung zu machen. Sie haben oft für gut
gefunden, meine Warnungen zu verachten, die heutige darf deshalb doch nicht
unterbleiben. Ihre Söhne haben in der hiesigen Offizin die gefährlichsten
Substanzen angekauft, Dinge, womit sie die Gesundheit, ja das Leben selbst in
Schaden setzen können.«
    »Ist mir schon bekannt«, versetzte der Edukationsrat sehr ruhig.
»Vitriolsäure, Eisenfeilspäne, Schwefel, Salpeter, nicht wahr? der Naturforscher
und der Baumeister wollen gemeinschaftlich damit einen künstlichen
feuerspeienden Berg verfertigen, wozu sie die Anleitung in Wieglebs Natürlicher
Magie gefunden haben. Man wirft einen Erdhügel auf, setzt den Topf mit dem
Gemische hinein, verbindet diesen Herd durch eine Kraterröhre mit der äussren
Luft, verstopft die Mündung; nach einigen Stunden ist die Gärung der Stoffe, die
Entwickelung der Gasarten vollendet, der Propfen wird vom Krater hinweggezogen,
und es gibt eine feurige Entladung, welche im kleinen die gewaltige
Naturerscheinung recht artig darstellen soll. Ich freue mich selbst auf das
Gelingen dieses interessanten Experiments.«
    »Quid?« rief der Rektor. »Ist es möglich? Freund, Sie stehen an einem
Abgrunde, und werden, wenn Ihnen das Haus über dem Kopfe angezündet worden, oder
einer Ihrer Knaben exanimis auf der Bahre liegt, vergebens beklagen, nicht
gehört zu haben.«
    »Die Natur«, sagte der andre, »verletzt nur den, der sich scheu vor ihr
zurückzieht. Dreiste Vertraulichkeit mit ihren Kräften zähmt sie. Sitzen über
den Büchern bildet Feiglinge, und es ist einer der gröbsten Irrtümer, die Alten,
welche sich grade durch ihr inniges Gefühl für die sie umgebende Welt
auszeichneten, zu Werkzeugen einer solchen Verzärtelung zu machen.«
    Hierauf setzte der Rektor die Pfeife in den Winkel und nahm eine starke
Prise. Die Abwechselung dieser Genüsse war für die Kundigen immer ein Vorzeichen
des herannahenden Sturms. Die Frauen legten die Strickzeuge weg, wie sie bei
solcher Gelegenheit zu tun pflegten, um als aufmerksame Richterinnen dem Kampfe
vorzusitzen. Noch aber sollte durch die Erscheinung eines Dritten der Ausbruch
verschoben werden.
    Der Fremde, den wir von seiner Hauptbeschäftigung den Hindu nennen wollen,
trat zur Gesellschaft. Dieser Mann hatte so oft die Schwerfälligkeit deutscher
Gelehrten verspotten hören, dass er sich vorsetzte, in seiner Person eine
Ausnahme darzustellen. Er trug sich ungeachtet seiner hohen Jahre noch wie der
jüngste Modeherr, und hatte seine Manieren durchaus nach Pariser Mustern
einzurichten sich bestrebt.
    Als der Hindu den mitten in anständiger Gesellschaft in Schlafrock und
Pantoffeln dasitzenden Rektor wahrnahm, geriet er außer Fassung, und starrte den
Verstoss gegen die
