 in besänftigendem Tone, dass die Farbe
eines Bandes Dich so leidenschaftlich erregen kann? Du sprichst nicht, wie Du
denkst, sagte der General nach kurzem Schweigen, während dessen er den Freund
zürnend angesehen hatte. Bleibt das ein bloßes Band, woran sich tausend
Erinnerungen der Ehre, der Begeisterung, des Entzückens nach überstandenen fast
unglaublichen Gefahren knüpfen? Hätte man uns ein Zeichen nicht lassen sollen,
unter dem Frankreichs Name unter allen Himmelsstrichen verherrlicht wurde? Nein,
nimmermehr wird der, der dem kühnen Adler unter Egyptens heißen Himmel und nach
Russlands Wüsteneien folgte - - doch, ich vergesse, unterbrach er sich selbst mit
Bitterkeit, ich vergesse, dass ich mit Dir rede, dessen Seele an alten
eingesogenen Vorurteilen hängt; der in Ereignissen, die außer aller
menschlichen Berechnung lagen, mit Selbstzufriedenheit die richtige Berechnung
seiner Weisheit erkennen, und der triumphierend mich daran erinnern wird, dass ja
nun Alles so gekommen ist, wie er es vorhergesagt, der nun selbstgefällig in
tiefe Einsicht verwandeln wird, was damals nur ein eigensinniges Festalten
veralteter Meinungen war.
    Und fühlst Du nicht, sagte der Graf mit Milde, wie sehr Du mir unrecht
tust, indem Du ein so treffliches Bild von mir entwirfst? Ich habe nichts
vorhergesagt, ja ich gestehe, dass ich nicht erwartet habe, Ereignisse zu
erleben, wie sie jetzt eingetreten sind, und wenn ich in früheren Zeiten
glaubte, dass sie nicht außer dem Kreis der Möglichkeit lägen, so hatte mich die
Geschichte anderer Länder bewogen dies anzunehmen und keineswegs eigensinniger
Dünkel. Und wenn ich dem Himmel von Herzen dafür danke, mein Vaterland von dem
Drucke der französischen Übermacht befreit zu sehen, so richte ich deshalb den
Blick nicht feindlich nach Frankreich hinüber, und sollte der Traum, den ich
jetzt hege, denn nicht eben so wohl wie der frühere in Erfüllung gehen können?
Sollten nicht beide Nationen, statt einander feindlich zu vertilgen, ihre
gegenseitigen Vorzüge anerkennen? Sollte nicht ein friedlicher Wetteifer
eintreten können in der Ausbildung jeder Kunst und jeder Wissenschaft des
Lebens? Und sollten nicht beide statt einander feindlich zu berauben, nun lieber
durch gegenseitigen Austausch zu gewinnen suchen? Der Hass, der sich jetzt noch
durch die aufgeregten Leidenschaften ausspricht, wird sich bald verlieren. Die
Deutschen sind zu geneigt fremdes Verdienst anzuerkennen, als dass sie nicht bald
wieder auch das französische gehörig würdigen sollten, und den Franzosen,
erlaube es mir zu sagen, wird das erlebte Unglück eben so heilsam sein, wie
einem in Reichtum, Glück und Gesundheit übermütigen jungen Manne ein Schlag
des Schicksals zuweilen wohltut. Es wird Euch bescheidener machen und die Idee
wird bei Euch Zugang finden, dass es auch außerhalb Frankreich noch etwas
Bedeutendes und Wissenswertes geben kann, dass auch die Bestrebungen anderer
Nationen Achtung
