 Geist dann eifrig auf Mittel denkt,
sie zu vermindern. Aber, teurer Vetter, alle diese Eigenschaften würden nicht
im Stande sein, mir mein kleines Königreich, wie Sie es nennen, zu bilden, wenn
mir der Himmel nicht ohne mein Zutun ein bedeutendes Vermögen gewährt hätte.
Wäre ich arm, fuhr der Graf fort, indem er die Hand seines Vetters drückte, dann
würde ich zufrieden sein, einen Freund zu finden, der mein Herz verstände und
meinen Charakter unter allen Umständen richtig würdigte, und ich würde unter den
übrigen Menschen verkannt, einsam und vergessen, ja von denen, die sich meiner
erinnerten, um eben der Eigenschaften Willen, die Sie jetzt erheben, getadelt
und verachtet umhergehen.
    Unwillig zuckte die Hand des Grafen Robert in der seines Oheims. Getadelt,
verachtet und verfolgt - fuhr dieser mit Nachdruck fort; denn eben die
Eigenschaften, die man jetzt anerkennt, würden mich wahrscheinlich hindern ein
Vermögen zu erwerben; denn nicht alle Mittel würden mir gleich sein, um diesen
Zweck zu erreichen, und da ich niemals meine Seele zur Verehrung des Geldes
gewöhnen könnte, so würde ich auch nie den gehörigen Eifer erlangen, um es
zusammen zu häufen. dabei würde mein ganzes Leben ein stillschweigender Tadel so
vieler Andern sein, den ich durch keine Annehmlichkeit zu mildern vermöchte, die
wir durch unser Vermögen so leicht unsern Bekannten verschaffen, und sie könnten
dann nicht denken wie jetzt, wenn ich unwillkürlich strengere Grundsätze
ausspräche: Er hat gut reden, wäre seine Lage so beschränkt wie die unsere, so
würde er eben so denken wie wir, so würde mir denn Niemand meine abweichende
Lebensansicht verzeihen wollen. Die Mildesten würden sie für Torheit erklären,
die Härteren mich für einen kopflosen, verschrobenen Menschen halten.
    Sie haben so oft meine Härte getadelt, sagte sein Vetter mit dem Ausdrucke
des Erstaunens, wenn ich ein Urteil über die Menschen aussprach, und nun muss
ich Ihre Ansicht weit härter finden und in der Tiefe Ihrer Seele eine
Menschenverachtung, die mich erschreckt.
    Nicht der ist milde, erwiderte der Graf, der in der Täuschung lebt, die
Menschen im Allgemeinen für trefflich hält und aus diesem Gesichtspunkte
handelt. Nur dessen Herz darf so genannt werden, der die Menschen kennt und
ihnen verzeiht, und indem er die Fehler Anderer einsieht, sich zugleich der
eigenen Schwäche bewusst ist und es sich eingesteht, dass vielleicht am Meisten
der Stolz der Seele ihn aufrecht erhält, der ihm den Willen gibt, sich nicht zu
beugen. Freilich wird ein Solcher in vielen Fällen, wenn er Andern beisteht,
sich nur selbst befriedigen; aber ist er so glücklich, nur einen Freund zu
besitzen, den er wahrhaft ehren kann, so wird ihn dies doch vor der schlimmsten
Selbstsucht
