 ein Mittelding zwischen Scherz und Ernst, ein Spielwerk für Erwachsene
genannt werden konnten. Mit leuchtendem Gesicht machte der Baron sie darauf
aufmerksam, und er hatte die Genugtuung, dass der Graf alle seine Pläne lobte.
Die Batterie wurde genommen und die Kavallerie auf den schönen Pferden entschied
im bedächtigen Schritt, wie es angeordnet war, den Sieg.
    Es ist so kindisch, sagte der Graf Robert, als sie sich von dem entzückten
Baron getrennt hatten, dass man nicht einmal darüber lachen kann.
    So ist es doch auch harmlos, erwiderte der Graf, und wird Niemand
verletzen. Es liegt in jedes Menschen Seele eine gewisse poetische Sehnsucht,
aus dem alltäglichen Leben heraus zu treten, etwas Besonderes vorzustellen. Sie
offenbart sich schon bei dem Kinde in der Neigung zu Verkleidungen. Bei
Niemandem von meinen Bekannten habe ich aber diese Sehnsucht so groß gefunden,
als bei unserm guten Baron. Sie werden dies in jeder kleinen Geschichte
bemerken, die er erzählt, und ich habe mir oft gedacht, wenn er Talent genug zur
Darstellung besäße und seine Phantasie dadurch befriedigen könnte, dass er
Novellen und Romane schriebe, so würde er im gemeinen Leben der Wahrheit näher
bleiben.
    So wäre also, rief der Graf Robert lachend, ein Lügner im Grunde nur ein
verunglückter Dichter?
    Warum wollen Sie es nicht so milde betrachten? erwiderte sein Oheim, da
zudem in jedem Menschen, auch in dem edelsten, sich eine kleine Neigung für
diese Schwäche findet.
    Es ist wahr, sagte Graf Robert, ich möchte wohl den Menschen sehen, der sich
rühmen könnte, nie die Unwahrheit gesagt zu haben, und es ist mir lieb, wenn ich
mich künftig einmal auf so etwas ertappen sollte, dass ich zu meiner Beruhigung
weiß, dass ich mich nur der Neigung zur Dichtkunst überlasse, indem ich sündige.
Sie können uns ja gleich diese Gerechtigkeit wiederfahren lassen, sagte sein
Oheim, denn haben wir nicht gleichfalls ein feindliches Komplott gemacht, um den
Prediger zu hintergehen? Das ist Not, rief der Graf Robert, aber nicht freie
Neigung zur Dichtkunst.
    Da der Graf seine Abreise auf den andern Tag festgesetzt hatte, wollte er,
nachdem sie das Schloss wieder erreicht hatten, noch den Abend von dem Obristen
Abschied nehmen, um den Greis nicht am andern Morgen in seiner Ruhe zu stören.
    Als der Obrist sich bald nach zehn Uhr entfernen wollte, um die Vorschriften
des Arztes nicht zu übertreten, der die Ruhe vor Mitternacht unerlässlich für ihn
fand, schloss ihn der Graf mit Rührung in die Arme, um ihm Lebewohl zu sagen. Er
fühlte den Freund in seinen Armen vor Altersschwäche zittern, und sein Auge
ruhte wehmütig auf dem nur noch spärlich von silberweissen Haaren bedeckten
Scheitel. Das leuchtende Auge des
