, beklagte aber, dass er in dieser unruhig bewegten
Zeit noch nicht habe Mittel finden können, die Anerkennung des Namens Evremont
zu bewirken. Sein Brief war im Taumel der Siegesfreude geschrieben, denn nur
Frankreichs Ruhm und sein eigener, den er noch zu erreichen hoffte, hatten ihm
vorgeschwebt, indem er schrieb; und er dachte nicht daran, welchen schneidenden
Gegensatz sein Gefühl zu der schmerzlichen Trauer seiner Freunde über ihr
Vaterland bilden musste. Die Frauen sahen über die Ausdrücke jugendlicher
Begeisterung hinweg; sie suchten in St. Juliens Briefen nichts, als Zeichen
fortdauernder Liebe, zärtlicher Treue, und fühlten nach langer Zeit
schmerzlichen Grams und zerstörender Angst Ruhe und Hoffnung im beseligten,
zärtlich bewegten Herzen. Des Grafen Freude war nur in den ersten Augenblicken
rein. Er fühlte es in den nächsten Minuten schmerzlich, dass Männer doch nur dann
ganz in Liebe verbündet sein können, wenn ihre heiligsten Interessen dieselben
sind, und er wünschte sehnlicher als je, St. Julien bewegen zu können,
Frankreich zu verlassen und sich als Bürger deutscher Erde zu betrachten; diese
recht im Genuße des Sieges und des Ruhmes geschriebenen Briefe aber ließ ihn
fürchten, dass der junge Mann schwer zu bewegen sein dürfte, eine Laufbahn
aufzugeben, die seinem Ehrgeize so viele Befriedigung versprach. Man
beantwortete St. Juliens Schreiben sogleich und der lang gestörte Briefwechsel
wurde nun wieder regelmäßig fortgeführt.
    Noch war die Freude in allen Herzen lebendig, als der Graf von Neuem
lächelnd die Bemerkung machte, dass der Mensch im Gefühle des hohen Glücks oder
eines großen Unglücks zunächst an sich denkt, und dass dann alles andere, was er
sein Höchstes und Heiligstes immerwährend genannt hat, in den Hintergrund tritt
und nur erst wieder beachtet wird, wenn die Freude oder das Leid, welches uns
persönlich trifft, durch Zeit und Gewohnheit gemildert wird. Der Graf in seinem
milden Sinne fand diese Empfindungsweise menschlich und natürlich, und meinte,
wir wären noch weit von schnöder Selbstsucht entfernt, wenn wir auch die ersten
Augenblicke des Glücks oder des Kummers ungeteilt uns selbst widmeten, sobald
wir nur dann wieder auch auf andere Menschen und ihre Schmerzen uns besännen.
Sein Vetter aber, der Graf Robert, hatte mit strengerem Sinn oft gegen ihn den
Ruhm der Spartanertugend bewundernd anerkannt und behauptet, ein echter Sohn des
Vaterlandes werde dessen Unglück und Erniedrigung auch im höchsten eigenen
Glücke stets empfinden; ja, er hatte behauptet, dass es für ihn gar kein Glück
geben könne, das im Stande wäre, sein Herz so ganz zu erfüllen, dass er seines
Vaterlandes nicht gedächte, und nun hielt der Graf einen Brief von ihm in der
Hand, in dem er ihm mit dem höchsten Entzücken die Geburt eines Sohnes meldete
und des trauernden Vaterlandes mit keiner Sylbe gedachte. Ja
